in etwa so

Gott, war das in meinem Fall schief gegangen! Zwar hatten sich Gedanken in meinem Kopf überschlagen, aber aufs Papier brachte ich mehr oder weniger nur einen mittelgrauen Wurm vor einem violetten Hintergrund (das All), der die Raumstation darstellen sollte und zentral einen roten Krakel trug, in dem nur mit Vorwissen und gutem Willen ein fünfzackiger Stern erkennbar war. Als wäre das Papier, das das Symbol trug, nach langem Regen in einer Pfütze gelandet. Dabei hatten wir gerade diesen Stern über die Jahre heftig geübt. Aber der Umstieg von Buntstift auf Tempera wollte mir nicht gelingen und ging auf Kosten der Erkennbarkeit des Dargestellten von statten.

Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

an altes denken

aus: Kaiseralbum

IV

Doch dieser Name ist schon vergeben. Was kümmert‘s den Kaiser

wenn der Süden schimmert und lockt? Eben der Süden, der Süden

und andere suchtbergende Worte mit S, Sünde zum Beispiel, Sizilien

und Sex, Sarazenen1 Sonette, Sonnette und wieder Sonnnette!

Wie süßlich, kommt jetzt etwa die Renaissance in Gang?

Man könnte meinen, Friedrich hätte sie gebunden ans Pferd entlang

des Wegs aus Süddeutschland nach Italien geschleift.2 (und uns3

hier vergessen, der Arsch)4In Rom schäumt der Papst

oder war er da schon nach Südfrankreich5 gereist

und hatte dort just seine Zelte am Hang aufgeschlagen

und bekehrte die Ziegen: Hört zu, bei uns, liebe Ziegen,

hört man ihn sagen (auf Latein) gibt es kein Opfer, bei uns

wird niemals nicht Ziegenblut fließen, denn Ziegen

beten ja nicht, auch nicht zum frevelnden Gott.6 So soll es sein.

1 Salbei, Sellerie, Selbstfindung, Schamanismus, Slockentra (?), Socke, Sellerie (hatten wir schon), Schocktherapie, Saft… Die Liste scheint beliebig erweiterbar zu sein, aber das ist nur Schein. Glauben sie mir. Allein die Antwort auf die Frage, ob sie das Sch (sprich: schh!! sehr stimmhaft) akzeptiert, es also zu Gunsten des S auflösen soll, ist nicht überliefert. Und was ist mit den Millionen von Worten (lassen wir es tausende sein) deren Inhalt unbekannt ist? Worte wie Slockentra.

2 Vergessen, vergessen, vergessen.

3 Im Sinne von „unsere Vorfahren“. Uns wäre einiges erspart geblieben. Zum Beispiel der Trubel um den heiligen Rock von Trier (1844). Aber nicht nur das.

4 Aus der Romanik wuchs uns Romantik zu. Trotz aller Aufklärung, wie lieben Skelette und unser Tanz ist der Totentanz, nicht die Tarantella. Na gut, das Volk tanzt die Polka und liebt Spaghetti und Mafiafilme mit Robert de Niro.

5 Obwohl er in Zelten übernachtete, hinterließ er doch überall Bauwerke mit bedeutendem Kunstbehang. Vielleicht war das seine Art, sich wichtig zu machen.

6 Die Geschichte von einem die Ziegen bekehrenden Papst ist allerdings nicht verbürgt. Ich habe sie von einem Zeitungsverkäufer in Rom, der sie bei einem Schuhputzer aufgeschnappt hatte, dessen Mutter eine Waschfrau der x-ten Generation war. Sie war in den Kriegswirren 44 in Rom gelandet. Eine ihrer Urahnen, hatte sie behauptet, sei Waschfrau der Medici gewesen. Und so verliert sich am Hofe der Medici die Kunde des Papstes, der angeblich Ziegen bekehrte. Wir wissen auch nichts über seinen Erfolg.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

To the Glory of God

Was für Bach und Augustinus, für Petrarca und Michelangelo selbstverständlich war, dass Kunst ein Teil des Gottesdienstes, und Ausdruck der höchsten Verehrung des Höchsten ist, dessen, der noch über der Liebe schwebt, weil er es ist, von dem alle Liebe ausgeht, weil wir als Liebende sein Abglanz, ein Umstand, der mit der Moderne mehr und mehr aus dem Bewusstsein gerät?

… dessen Vollzug, aus der künstlerischen Praxis verschwand.

Autonomisierung, scheint mir, ist eine wachsende Illusion, die Mensch und Werk als Unabhängig nebeneinander stellt und damit deren Produktcharakter verdeckt, und so eben auch den Produktcharakter des Menschen selbst. Gleich wer da geschöpft hat, meinen wir das Geschöpf habe zwar Kindheit, Alter und Tod, doch sonst sei es ganz es selbst. Man behauptet zwar, man wisse um die gesellschaftliche Verfasstheit des Selbst, handelt aber, als gäbe es das Originalgenie.

Das Wort Geschöpf wird synonym für Lebewesen gebraucht, aber nur im Mitleid, das das Wörtchen mitschleppt, im armen Geschöpf, blinkt auf, woher es einmal kam (woher einmal es kam, wie Adorno formulieren würde). Ob es doch eher eine Maschine meint?

Weil sich das Schöne vom Guten trennte, weil das Schöne seinen Zwilling sucht und nur noch ab und an mit Gutem in Beziehung tritt, im Modus One night stand und nicht im Versuch eine neue Verwandtschaft zu begründen, wobei hier mit Gut das moralisch Gute gemeint ist, das Gute im besten Sinne; und plötzlich taucht jene Verneigung wieder auf. To the Glory of God.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Zassis Suche

Was er suchte, wusste er nicht zu formulieren, oder er sagte es mir nicht, weil er sich schämte, wie auch ich ihm nicht sagte, dass ich wartete, weil ich nicht wusste, wie er reagieren würde, ob er dass alles nur für einen Tick gehalten hätte, der einer Lektüre Sartres oder Becketts entsprungen war, eine Attitüde, weil mir, wie er glauben musste, nichts anderes einfiel, als blöde rumzustehen, weil auch ich mich schämte, wie ich jetzt eingestehen muss.

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

weil ich gerade daran denke

Die Widmung in Les Murreys Gedichtband „Übersetzungen aus der Natur“: To the glory of God. Eine verrückte Sache. Was kann das sein, denke ich, mit knarzender Stimme ein Dozent. Zeitgemäß? Anachronistisch? Für mich auf jeden Fall ungewohnt. Als gäbe es da noch etwas, als sei es. Und warum beunruhigt mich das? Ich habe mir den Band doch während des Ganges an meinem Bücherregal vorbei, ganz unwillkürlich gegriffen. Er war mir nicht einmal besonders ins Auge gefallen, und gekauft hatte ich ihn, wegen des Titels. Das Ziel war das Ziel. Und wohin übersetzt man aus der Natur? Ins Kreatürliche? Vielleicht lösten Glücksgefühle die Handlung aus, vielmehr Erinnerungen an Glücksgefühle, die mich schon bei der Lektüre von Murreys „Holy Cows“ überkamen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Sonntag

Ein zweites Bauerngedicht

Unnütze Sensen und Sicheln

dengeln, das ist Musik

 

Und sind nicht Fußabdrücke

Veränderungen des Horizonts

und rein subjektiv?

 

ist Wachstum nicht Rückkehr

und Rückkehr nicht Stillstand?

Dass ich jetzt wieder hier sitze

ist wenn auch reine, so doch Illusion.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

auch der:

Nach den Revolutionen

 

Das ist nicht die Zeit für Politik

Turnschuhträger mit Bäuchen vorm Bauch

ziehen sich in dritte Ehen zurück.

Und kannst du dich liebste Minou

an diese Gedichte erinnern, die wir

verlassen vorfanden in Strandkörben

oder direkt neben dem Gipfelbuch.

Die Weltgedichte gesprochen von

Hünen der Welt. Literatur. Gedächtnis.

Mit auf dem Rücken verschränkten

Händen wandern sie, die Dichter

über die Dünen und durchs Gebirg.

Und bedenken alles Überkommene

mit Spott, weil ihnen Überkommenes

so radikal abgebügelt wurde

dass die Vergangenheit schon wieder verlockend ist.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen