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Bei der Durchsicht alter Texte

Freiheit, wenn man sie hat, merkt man nicht, aber man stellt schnell fest, wenn sie fehlt. Jedenfalls kommen mir die Texte in meinem ersten Gedichtband freier vor, wahrscheinlich waren sie das, weil ich sie ohne den Anspruch schrieb, Dichter zu sein. Die Freiheit nahm ab, je tiefer ich mich in die sogenannte Szene begab, oder in den „Betrieb“: Die Mühen des Diskurses sind in die Texte eingedrungen. Ich sollte versuchen, wieder zu der alten Freiheit zu gelangen, aber das ist schwer.

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Fahneneid – Skizze

Er sieht die winzigen Schweißperlen im ausrasierten Nacken des Vordermanns und spürt den Atem des Offiziersschülers, der hinter ihm steht. Ich schwöre! Der DDR meinem Vaterland allzeit treu zu dienen, und die Macht der Arbeiter und Bauern gegen jeden Feind zu schützen. Der heisere Chor, das Geflüster der Gruppe. Offizierschüler M., der die Fahne hält, sie halten darf, es sei eine Ehre, schläft im Bett über ihm und beschwert sich, wenn Schroth nach neun im Zimmer noch raucht.

Manchmal reibt Offiziwersschüler M. nachts sein Bein am eisernen Gestell. Das Bett vibriert dann leicht und regelmäßig. Ich schwöre, hört Schroth den Chor sprechen, und er bewegt lautlos die Lippen. In der Menge gegenüber, pastellen ungeordnet, steht irgendwo seine Mutter. Sein Blick sucht die Reihen ab, und Schroth wünscht sich, dass wenigstens sie stolz auf ihn wäre. Sie hätte es verdient. Stawai Strana ogromnaja. Der Stahlhelm drückt, und er verflucht die langen Unterhosen. Wer hätte auch wissen können, dass es Ende September noch einmal so heiß werden würde. Dass es wichtig sei, hatte der Genosse Generalleutnant gesagt. Dann spulte Stechbart, so sein Name, eine Aufzählung herunter, der Schroth nur schlecht folgen konnte. Und alle militärischen Geheimnisse zu wahren…, liest laut der General auf der Tribüne. Hände an der gedachten Hosennaht. Eine Dienstanweisung. Als Schroths Augen, wie es vorgeschrieben ist, die Fahne begleiten, spürt er wirklich so etwas wie Stolz. Er denkt an Filme. Die Soldaten der Roten Armee werfen Nazistandarten vor dem Leninmausoleum auf einen Haufen. Die Kämpfer wirken müde. Nach dem Appell wird er der Mutter sein Zimmer zeigen, das Stube heißt und das er mit drei anderen teilt. Sollte ich diesen, meinen feierlichen Fahneneid jemals brechen, soll mich die harte Strafe des Gesetzes und die Verachtung des gesamten werktätigen Volkes treffen, hört er sich sagen. Ich schwöre, spricht er im Chor mit den anderen.

Hier ist im Grunde Schluss:

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Kontextrecherche zum Neobiedermeier-Georg Weerth

aus seinem Gedicht:

Die Industrie

Was er verlieh, des Menschen hehrer Geist,
Nicht Einem – Allen wird es angehören!

Und wie die letzte Kette klirrend reißt,

Und wie die letzten Arme sich empören:
Verwandelt steht die dunkle Göttin da:
Beglückt, erfreut ist Alles, was ihr nah!
Der Arbeit Noth, die Niemand lindern wollte,

Sie wars, die selbst den Fels bei Seite rollte!

 

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Anlauf nehmen auf einen Essay über das Neobiedermeier

„Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit, als ein außer ihnen existierendes Verhältnis zu den Gegenständen.“1

in: Karl Marx: Das Kapital Bd. 1. Über den Fetischcharakter der Ware

„Jene kulturkonservative Ideologie, welche Aufklärung und Kunst in einfachen Gegensatz bringt, ist unwahr auch insofern, als sie das Moment der Aufklärung in der Genesis des Schönen verkennt. Aufklärung löst nicht bloß alle Qualitäten auf, an denen das Schöne haftet, sondern setzt zugleich erst die Qualität des Schönen selber.“1

1Theodor W. Adorno: Minima Moralia, Frankfurt am Main 1951, S. 300

 

„Leicht jedoch täuscht der zivilisatorische Fortschritt die Menschen darüber, wie ungeschützt sie stets noch sind. Das Glück an der Natur war verflochten mit der Konzeption des Subjekts als eines Fürsichsseienden und virtuell in sich Unendlichen; so projiziert es sich auf die Natur und fühlt als Abgespaltenes ihr sich nahe; seine Ohnmacht in der zur zweiten Natur versteinerten Gesellschaft wird zum Motor der Flucht in die vermeintlich erste.“1

1Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie, S. 103

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Die Landschaft

„Unser Auge schafft Land.“ heißt es in einem meiner Lieblingstexte von Keith Waldrop.

Im neuen Buch von Johannes Jansen nun:

„Die Verwandlung der Landschaft. Der Anblick ändert die Gegend. Aus Bedrohung wird Harmonie. Der Anblick ist die Entspannung.“

(Johannes Jansen: Wegzehr. Distillery 2017)

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ein wenig war ich doch in kassel

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