Die Umbenennung

Ich bin in einer Straße in Karl-Marx-Stadt aufgewachsen, die Fritz-Schmenkel-Straße hieß. Die liegt in einem Neubaugebgiet, das 1972 eingeweiht wurde, hat also keinen alten Namen. Sie wurde 1990 dennoch in Zeisigwaldstraße umbenannt, deren Verlängerung sie darstellt. Die Stadt, die die Straße umschloss, wurde wieder zu Chemnitz.

Fritz Schmenkel war ein Wehrmachtssoldat der 1941 desertierte und sich in den Wäldern von Smolensk den Partisanen anschloss. Er geriet in deutsche Gefangenschaft und wurde von Deutschen erschossen. Die Straße hätte weiter so heißen können und müssen, auch oder gerade weil Fritz Schmenkel in den Augen einiger Arschlöcher ein Verräter war.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die Umbenennung

  1. Peter Blechschmidt schreibt:

    Guten Morgen, Herr Kuhlbrodt, mich führten Recherchen zu Fritz Schmenkel auf Ihren Blogg.
    Ich versuche seit knapp zwei Jahren den Umgang mit ihm im Alltagsbewusstsein n der DDR und bis dto. nachzuzeichnen und möchte diesen dann hoffentlich gelungenen Versuch auch veröffent -tlichen.
    Ich hoffe, Ihre Erinnerung an ihre Geburtsstadt nicht zu trüben (die Vorgänge im August 2018 könnten bereits dazu beigetragen haben?).
    Bitte fassen Sie es nicht als Belehrung auf, vielleicht wussten Sie es auch schon? In der Stadt gab es mit dem Straßennamen weitere Erinnerungsorte für Fritz Schmenkel, darunter auch die dama -lige POS mit dessen Namen in Schönau. Eine Büste Fritz Schmenkels von einem bekannten Ber -liner Bildhauer entdeckte ich vor knapp 2 Jahren zufällig in einem Depot der Stadtverwaltung für „ungenutztes Kulturgut im öffentlichen Raum“ – nicht als DDR Denkmalkunst gelistet. Bemühungen, dieser Büste einen dauerhaften, angemessenen Ort als eine verstaubte Garage zu verschaffen, er -zielten einen Teilerfolg. Sie befindet sich jetzt in einem Dokumentationszentrum in Torgau (Schloß Hartenfels) und wird voraussichtlich 2021 als Bestandteil einer Ausstellung über Wehrmachtsdeser -teure gezeigt. Es besteht allerdings die Absicht, diese Büste als Anschauungsmaterial einzusetzen, um exemplarisch die Praxis der „Mystifizierung“ von antifaschistischen Widerstandskämpfern zu belegen. Ich sehe darin eine Gefahr der Verniedlichung und Relativierung von dem, was Sie da -mals in Ihrem Blogg schrieben: “ weil Fritz Schmenkel in den Augen einiger Arschlöcher ein Verräter war“ – immer noch und potenziert 30 Jahre nach einigen Aktionen des „Gesinnungsvandalismus“ . Vergleiche Eintrag in http://www.metapedia.de.
    Übrigens wurden über Fritz Schmenkel ab 1964 bis 1983 zwei Doku – Romane und ein Kinderbuch verfasst, ein Fernsehfilm, ein Spielfilm und ein Hörspiel produziert. Es gab weitere Einzelveröffent -lichungen. Es existieren mehrere You Tube Videoclips (russ., vietn.). Übereinstimmend findet seine außergewöhnliche Entscheidung, auf der „anderen “ Seite zu kämpfen Sympathie bzw. Aner -kennung. Es leben noch Angehörige von ihm. In Leipzig trägt eine Straße seinen Namen (Leipzig Gohlis 04157). Im Freistaat gab es ca. 7-9 Erinnerungsorte.
    Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche für Ihre schriftstellerische Betätigung viele Leser und viel Erfolg. Vor allem – Gesundheit.
    Peter Blechschmidt aus Chemnitz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s