Adorno in seiner Schrift: Kierkegaard

Die Konstruktion des Ästhetischen.  Im Kapitel III unter dem Stichwort Soziologie über das Ineinandergreifen gesellschaftlicher Hierarchien und Unterdrückungsverhältnisse:

Die autonome Ethik der absoluten Person jedoch bezeugt in ihren Sachgehalten deren Relativität auf die bürgerliche Klassenlage. Das konkrete Selbst ist für Kierkegaard mit dem bürgerlichen Identisch: „Es ist nicht bloß ein persönliches, sondern ein soziales, ein bürgerliches Selbst.“ Damit jedoch setzt es gerade solche „Differenzbestimmungen“, wie die Allgemeinheit des Sittengesetzes sie ausschließen sollte. Deren Grund ist Klassenbewußtsein. An Negern und Sängerinnen hat bei Kirkegaard die ethische Allgemeinheit ihre Grenze. In den Stadien heißt es: „Denn ein Schwarzer, der nicht wohl das Geistige repräsentieren kann …“ von Othello; in einem Brief an Boesen, den Schrempf mit Recht anführt: „An einer Sängerin ist im Allgemeinen nicht viel verloren.“

(Th.W. Adorno: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen. Frankfurt am Main 2003. S. 72 f.

Adorno zeigt sich in dieser frühen Schrift schon sensiblisiert für Rassismus und Sexismus im europäischen Gedankengebäude, und spürt sie auch in Kierkegaards Nebensätzen auf.

 

 

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