Weiter Cacciari – Wüste

Eine faszinierende Engführung von Rosenzweig, den ich endlich lese, Freud, den ich lange nicht gelesen habe, und Kafka, den ich eigentlich immer lese:

„Auch bei Kafka gehört man nur der Stimme an, die weniger wird, also einem etwas, das entschwindet. Noch tiefer gehört man dem Schweigen an, von dem das Wort eine verzweifelte Spur ist. Indem Freud Moses die Identität der Sprache nimmt, vollzieht Freud nicht nur jenen initialen Akt der Entstellung, von dem aus seine Analyse in den Abgrund stürzt, er weist auch auf die Sehnsucht nach dem Schweigen in der Figur der Gründung hin. Das, was die Sprache gegeben hat (die heilige und unzerstörbare bei Rosenzweig), offenbart sich als Figur des Schweigens – das Schweigen steht in der Identität jener Sprache, es ist deshalb nicht das alleinige Schweigen der Antwort, sondern die Dimension des Fragens – ein Halt im Fortschreiten. Und daher: Zu diesem Fortschreiten-Halt, zu diesem Wort-Schweigen gehören wir – besser zu dem Wüstenraum (entblößt von jener Möglichkeit eines Bildes) des Zugs, der trennt-vereint, zu dieser Wüste gehören wir unbesiegbar: ‚Aber in der Wüste seid ihr unbesiegbar …’“

in: Ikonen des Gesetzes. Massimo Cacciari. Ikonen des Gesetzes. München 2019. S.123

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