Utopie

Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systemversuche, also diesen östlichen eher feudalen als emanzipatorischen Ordnungen, wähnte man sich in einem postutopischen Zeitalter. Zeichen dafür waren z.B. die Ausfälle Joachim Fests gegen Ernst Bloch. Fests Generalthese war seinerzeit, dass utopisches Denken geradzu zwangsläufig zu autoritären Strukturen führe. Mit dem Neoliberalismus schien das Ende der Geschichte erreicht.

Parallel zum liberalen Utopieverzicht erstarkten allerdings religiose Fundamentalismen. Und ihnen hatten die westlichen Gesellschaften kaum etwas entgegenzusetzen, außer wirtschaftliche Erfolge. Allerdings kamen diese Erfolge auch in den westlichen Gesellschaften nicht allen zu Gute. Vielmehr differenzierten diese sich weiter aus, Armut wuchs gleichermaßen wie Reichtum.

Statt eines neoliberalen Paradieses wuchsen die Flüchtlingsströme.

Es wird also Zeit, sich auf unser utopisches Vermögen zu besinnen, das heißt Visionen zu entwickeln, die über das Bestehnde hinaus weisen.

In der Edition Nautilus erscheinen seit geraumer Zeit historische Utopien. Texte, die  in der Vergangenheit utopische Versuche formuliert haben. Aus diesen Versuchen können wir lernen, selbst über das Bestehende hinaus zu denken. Es scheint mir bitter nötig.

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7 Antworten zu Utopie

  1. amruthgen schreibt:

    Die bisher gehandelten Utopien dürften vor allem Ideen Einzelner für andere sein. Besser dürfte es funktionieren, gemeinsam erfundene Utopien für- und miteinander zu verfolgen. Die Ideen dafür entstammten menschlichen Bedürfnissen, die verbinden.

  2. Kammerherr Alving schreibt:

    Sehr einleuchtend (und für mich neu) die These, dass der Verzicht auf radikal egalitäre Gesellschaftsutopien einhergeht mit dem Aufstieg religiöser Fundamentalismen – die der so entstandenen ‚leeren Transzendenz‘ in der politischen Sphäre erneut das Siegel der Theologie aufprägen.

  3. flatter schreibt:

    @Jan: Mein Reden, schon so lange. Siehe auch den letzten Absatz hier.
    Liebe Grüße nach langer Zeit. Man verliert sich so schnell.

    duke

  4. flatter schreibt:

    Warum sollte der sich langsam auflösen? Das ist die große Konkursverschleppung. 2008 hatten wir einen Vorgeschmack auf den Sudden Death. Ein gewisser Herr Chemnitz hatte doch dergleichen nicht bloß prognostiziert (der „tendenzielle Fall“, wird geraunt); wir hatten das wieder und wieder. Vielleicht gibt es nach der nächsten Verlängerung ja wieder ein großes Elfmeterschießen.

    • Jan Kuhlbrodt schreibt:

      der Konkurs ist doch lange verschleppt. Wir handeln mit Spielgeld. Aber vor einem Elfmeterschießen habe ich ein wenig Angst. Der Ausgang ist so ungewiss. Manchmal bin ich eher für Spielabbruch.

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