Zur Kritik der Kritik der Kritik

Heute im Wiener Standard ein Artikel der folgende Passage enthält:

„Jedes Buch ist das Dokument eines intellektuellen Unterwegsseins, das sich seit der ersten Veröffentlichung nachvollziehen lässt. Mit jedem Buch verändert sich einer, der schreibt, und bleibt doch ein Individuum, das seine Vorgeschichte dringend braucht.“

Das mag alles stimmen, aber wenn ich einen Text lese, dann ist da zuerst einmal nur der Text, und die Welt, die er aufbaut, die vielleicht der Welt, der er entspringt, ähnelt. Und klar verändert sich der Autor mit dem Text, er verändert sich so, wie sich ein Fensterputzer mit jedem geputztem Fenster verändert hat, und im Fenter spiegelt sich Realität, und für einen Moment vielleicht der Fensterputzer, von dem ich als Betrachter nichts weiß.

Thuswaldners Artikel enthält viel Richtiges, aber wenn er sagt, Kritik ziele auf Autor und Werk, zielt er am Ziel vorbei. Sowohl der Autor mit seiner Geschichte, als auch sein „Werk“ sind dem Gegenstand der Kritik äußerlich, das Wissen um sie zufällig. Im Werk spiegelt sich nix, was in ihm nicht vorhanden ist.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s