Heimat; Wüste

Friedrich Nietzsche gab diesem Gedicht viele Titel: Aus der Wüste mag ich am meisten.

„Die Krähen schrei’n“ – „Vereinsamt“ – „Der Freigeist“ – „Abschied“ – „Heimweh“ – „Aus der Wüste“

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr,

Vor Winters in die Welt – entflohn?

Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,

Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,

Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg‘, Vogel, schnarr‘
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! –
Versteck‘ du Narr,

Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n –

Weh dem, der keine Heimat hat!

ein anderes Wüstengedicht von Tichon TSCHURILIN

 

Пустыня

 Монах да мох да холм да хомут.
 Тому да в омут ут_о_мой,
 Утонуть, - а то ну ото смут -
 Уд _о_ морь!
 Тому тонуть в песке вблизке.
 И с кем говорить? с рыбой?
 Вино иное йнеить в виске -
 А гол с голубой глыбой ?
 Обол лобовой, Бог с тобой,
 - Волной вольну голубой!

 1918

 

Die Wüste
Mönch ja Moos ja Höhe ja Humus

(darum)  ja herunter und her.

Sinken, – bis hier die Zuordnung ruht

Ruh_ort_o_mor.

(darum) treibe auf Treibsand.

Und mit wem du auch sprichst? Mit Fisch?

Wein weint weiter im Whisky –

und das Tor mit blauendem Knödel?

Gnade mir vor, Gott vertrau.

Welle wallendes Blau.

 

und hier noch ein 2. Teil des Nietzsche Textes

II. Antwort
Daß Gott erbarm‘!
Der meint, ich sehnte mich zurück
In’s deutsche Warm.
In’s dumpfe deutsche Stuben-Glück!

Mein Freund, was hier
Mich hemmt und und hält, ist dein Verstand,
Mitleid mit dir!
Mitleid mit deutschem Quer-Verstand!

 

und Hannah Arendt

Die Traurigkeit ist wie ein Licht im Herzen angezündet,

Die Dunkelheit ist wie ein Schein, der unsre Nacht ergründet.

Wir brauchen nur das kleine Licht der Trauer zu entzünden,

Um durch die lange weite Nacht wie Schatten heimzufinden.

Beleuchtet ist der Wald, die Stadt, die Strasse und der Baum.

Wohl dem, der keine Heimat hat; er sieht sie noch im Traum.

 

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