Kritik der Rechte

Es reicht nicht aus, das Bestehende (die Demokratie) im jetzigen Zustand zu verteidigen. Die Angriffe aus dem rechten Lager (Pegida, Afd) zurückzuschlagen. Das führt, wie man an der Ausrichtung der Parteien sehen kann, letztlich zu sukzessiven Demokratieabbau. Es gilt, Konzepte zu entwickeln, Utopien, den Begriff Fortschritt zu füllen. Ein Versuch dazu ist Christoph Menkes Buch Kritik der Rechte. Gegen bürgerliches Recht und Kommunistisches, die auf ihre je eigene Art das Herr-Knecht Verhältnis fortschreiben, das sie zu überwinden suchten, setzt Menke den Aufstand der Sklaven. Keine einfache Lektüre. Zugegeben! Aber eine lohnende:

Das Recht politisch zu denken heißt, die Akte der Normierung (und Formierung) zu untersuchen, die es hervorbringen. Diese Akte sind Urteilsakte, und darüber, wie die Politik und das Recht verfaßt sind, entscheidet, wie das Urteilen verstanden wird, das politisch vollzogen und rechtlich verwirklicht wird. Darum geht es also, wenn der Aufstand des Sklaven affirmativ verstanden wird: um eine Revolution im Urteilen. (a.a.O S. 373)

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Eine Antwort zu Kritik der Rechte

  1. Heino Bosselmann schreibt:

    Interessant. Nur: Sind Normierung- und Formierungsakte tatsächlich im Kern Urteilsakte in dem Sinne, das jenes, was der vermeintlich mündige Bürger entscheidet, tatsächlich so, wie er es entscheidet, durchgeschaltet wird? Im guten Glauben an die „Demokratie“? Oder sind dazu nicht von Marx, Weber, Schmitt und vielen anderen genügend Bedenken angezeigt worden, der Art, dass es letztlich um Macht geht, insofern Demokratie nicht unbedingt „herrschaftsfreien Dialog“ praktiziert, sondern letztlich vor allem – Wie auch anders? – einen Apparat betreibt, der nicht so einfach von den „Sklaven“ zu besetzen oder zu bedienen ist, ansonsten wäre es nicht die Demokratie, von der hier die Rede sein mag. – Zudem hege ich Zweifel daran, inwiefern eine kritische Masse von Discounter-Konsumenten tatsächlich kritisch zu urteilen willens oder in der Lage sein mag. Und: Wollte man „bürgerliches Recht“, das ja wohl noch als Emanzipationsleistung des bourgeois gelten mag, verändern, wäre das eben eine Revolution, die logischerweise nach links oder rechts tendieren würde. Wobei der Linken bedauerlicherweise der kraftvolle Impetus verloren ging und die Rechte in ihrer populistischen Varietät gerade die frustriert „Urteilenden“ sammelt. – Banausig an meiner Notiz: Ich kenne das Buch nicht, das ich mir immerhin notierte, würde mich aber wundern, folgte seine Linie nicht dem Wunschdenken des ideell zu läuternden Menschen, der weltgeistig reift und also im hegelianischen Sinne Geschichte baut, nur ab und an irritiert durch die „List der Vernunft“, aber doch grundsätzlich vernünftig, also mit dem Kopf in den Wolken. – Letztlich: Wer wären bei uns eigentlich die „Sklaven“? Sollte ich es vermuten, dächte ich an die Abgehängten in der sog. „Exklusion“ (Heinz Bude), denen fatalerweise oft genug die kulturelle Teilhabe fehlt, um jene Urteile bilden zu können, auf die der Autor warten mag

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