Trude Krakauer

Ihr Vertrauen in Europa und in die Österreichische Heimat war zerstört, und die Anstalten, die der alte Kontinent machte, dienten nicht dazu, den Riss zu verdecken.

1971 schrieb sie das Gedicht

 

Emigrant

 

Netzmaschen entronnen,

Jappend im Sand,

Noch spür ich im Wind

Salzigkühl-tiefgrün-schützende Flut

Gerettet?

Die Brüder schleppt man zum Mord.

Gerettet?

Allein. Jappend im Sand.

Salzbitter wehen die Tränen im Wind.

Fluch-Flucht-Furcht furchen die Dunkelflut.

Am Strand sitzt der Tod.

 

Dieser Text legt nahe, dass Krakauer in jeder Hinsicht Emigrantin geblieben ist, dass sie der Herkunft entrissen, sich keine neue Heimat bauen konnte. Ein Indiz dafür ist auch, dass sie ihre Gedichte bis zu Ihrem Tod 1995 auf Deutsch schrieb. In ihnen aber hat sich eine Sprachqualität erhalten, die ich in den Herkunftsländern zerstört finde.

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Eine Antwort zu Trude Krakauer

  1. Graugans schreibt:

    Unglaublich intensiv und traurig…dank Dir für Trude Krakauer, kannte sie nicht.

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