Kritik

Der Witz ist, dass eine mehrheitlich konservative Produzentenschar auf eine mehrheitlich konservative Leserschaft trifft. Die Kritik soll dann zwischen beiden vermitteln. Das übersteigt ihr Vermögen, weil das Unverständnis auf beiden Seiten strukturell ist. Konservativismus auf Seiten der Leserschaft heißt, dass man nach Strukturen und Effekten sucht, die sich in der Überlieferung bereits ereignet haben. Oder in der  Vorstellung dessen, was man mit Überlieferung bezeichnet. Sie vergisst dabei, dass Schreiben wie (Dante, Benn, Goethe … die Ikonen sind beliebig austauschbar) zu nix führt, ausser einer sofort sichtbaren Albernheit. Sie vergisst dabei aber auch, dass sich die Wirkmacht des Ikonischen nicht unmittelbar im Moment ihrer Produktion eingestellt hat, sondern im Rezeptionsprozess über die Zeit, zuweilen über Jahrhunderte mit Phasen des Vergessens, Wiederentdeckens und erneuten Vergessens, erst entwickelte oder entfaltete. Vom Kritiker zu verlangen, er solle diese künftige Wirkung unmittelbar erkennen, ist doch zu viel verlangt. Er kann aber Potenziale aufspüren. Zeiteinschlüsse. Er kann mutmaßen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Kritik

  1. Pingback: Zwei Stimmen « Lyrikzeitung & Poetry News

  2. Pingback: Lyrikkritikdebatte geht weiter « Lyrikzeitung & Poetry News

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s