Nachhaltig — private Notiz

Das Kommende mag narzisstisch klingen,  aber so ist es nun einmal. Ich bin nachhaltig verletzt durch die Mißachtung all dessen, was ich für Philosophie hielt, durch die Hochschulen und Universitäten, an denen ich studierte. Kaum etwas von dem, was ich mir vom Studium versprach, trat ein.

Dennoch, und das sei hier dringend angemerkt, habe ich gern studiert. Es war eine Lust, die verschiedensten Texte kennenzulernen.

Aber kaum drängte ein Gedanke einmal über das Tradierte hinaus, wurde er zurückgepfiffen und eingesperrt. Im Handwerk sagt man wohl: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. (Ausnehmen möchte ich hier ausdrücklich die Seminare von Jürgen Habermas und Judith Butler.)

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7 Antworten zu Nachhaltig — private Notiz

  1. kimberra schreibt:

    Darüber („Kaum etwas von dem, was ich mir vom Studium versprach, trat ein.“) würde ich gerne mehr erfahren. Was hat in Ihrem Studium gefehlt? OK, Gedanken, die es zu weit treiben, werden wieder eingefangen. Diese Erfahrung habe ich im Philosophiestudium auch gemacht. Gleichzeitig bin ich mir bis heute nicht sicher, ob diese Colloquien und Seminare nicht einfach der falsche Ort sind für bestimmte Gedanken und vor allem für bestimmte Methoden, Gedanken zu führen.

    Als es immer wieder mal hieß, ‚ja, so weit können wir das hier aber nicht diskutieren‘, fragte ich mich, vielleicht war der Ansatz wirklich der Veranstaltung nicht angemessen. Die Leute wollen dort gerne über Texte reden und mit welchen Argumenten sie (de)legitimiert werden können. Um mehr geht es nicht. Ich glaube, das hat auch gar nicht damit zu tun, wie berühmt oder alt die ProfessorInnen sind.

    Daher die Frage: was war bei Butler und Habermas anders? Wofür haben die sich interessiert?

  2. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    Habermas und Butler nahmen uns (Studenten) als Gesprächspartner ernst. Es waren Debatten auf Augenhöhe, wie man so sagt. Beide stellten ihren Wissensvorsprung nicht unnötig heraus und ihre eigenen Positionen auch stets zur Disposition. Das war beeindruckend und ist vielleicht auch ein Zeichen ihrer Größe. Das ermöglichte es eben aber auch in der Diskussion tradierte Positionen nicht nur zu rekapitulieren, sondern auch zu überschreiten. So etwas vermisste ich andernorts weitgehend.
    (Eine Ausnahme bildeten auch S. Stötzer und sein Assistent Jürgen Jünger, die in Leipzig Politische Ökonomie lehrten (in den späten Achtzigern habe ich das studiert) und über den Verordneten Marxismus damals weit hinaus gingen (auch mit der Konsequenz, dass Jünger von der Uni flog.)

    • summacumlaudeblog schreibt:

      Du kennst doch sicherlich L. Marcuses Angst vor einer Matheprüfung bei Hilbert (Nebenfach, er studierte sonst Philosophie). Und wie er dachte, der große Hilbert, der macht dich nass. Und wie er dann mit einer 2 hinausging. Wahre Größe – so Marcuse – hat das Niedermachen von Studenten nicht nötig. Das tun nur die mittelkleinen Geister. Es ging ihm mit Hilbert so, wie Dir mit Habermas und Butler.

  3. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    meine Interessen waren sicher vielfältig, aber zentral war mir schon gesellschafts- und wissenschaftskritik
    .

  4. mxmaas schreibt:

    Meine Frage ist, was machst du aus deiner Erfahrung?
    Was würdest du Studenten (heutzutage) raten?
    Wo müsste deiner Meinung nach eine Veränderung einsetzen?
    Bzw. wo verortest du den Ursprung der Problematik?

    Ich finde deine Aussage(n) sehr spannend, da ich selbst am Anfang meines Studiums stehe und mich (auch) die Frage umtreibt, wie eine Institution (Uni) aussehen müsste, sodass
    a) max. Lergenuss
    b) Fachkenntnis
    c) Problemlösefähigkeit + Kreativität (für neue Gedankengänge/Erkenntnisse)
    d) Diskussionen aufgrund individueller Gedanken/Erkenntnisse/Vorschläge
    e) Konstruktives soziales Miteinander
    einzelner Studierenden gefördert werden kann… Denn das ist es, was ich mir unter einer idealen Uni wünsche.
    Ein Problem welches ich generell und auch in der Uni sehe ist das Beharren auf „künstlicher“ Autörität (aufgrund eines Titels). Denn hierbei ist der Fokus nicht auf dem Lerninhalt, sondern auf einem Machtgefüge, welches meiner Meinung nach a,c, d und e entgegensteht.
    Zudem fördert es (unvernünftige) Hörigkeit.

    Geht das oben genannte in deine Richtung, oder habe ich in deinen Text zu sehr meine Thematik hineinprojiziert?

    Liebe Grüße,
    M

  5. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    die Richtung stimmt. und ich glaube, z.B. Avanessian formuliert in dem bei Merve erschienenen Buch „Überschrift“ eine spannende Kritik an der Institution, aber auch an Begriffen wie Kreativität.
    Für mich allerdings kommt das alles ein wenig zu spät. Ich habe mich in einer Autorenexistenz eingerichtet, nachdem ich die Promotion abgebrochen habe und wurschtel seit 20 Jahren so vor mich hin.
    aber das mit der künstlichen Autorität ist schon der Kern und gewissermaßen echte Autoritäten wie die erwähnten Habermas und Butler hatten derlei Machtspiele nicht nötig.

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