Über Gott nachdenken

Atheismus war der kleinste gemeinsame Nenner in meiner Schulzeit und während des Studiums wie für die Alten wahrscheinlich die Gottesverehrung der kleinste gemeinsame Nenner war. Unübersehbar die Namen der Gottheiten, die Seinsweisen und Gestalten. Vielleicht stecke ich Feuerbachs „Wesen des Christentums“ demnächst einmal in eine Plastiktüte und lasse es neben einem Glascontainer frei. Book crossing. Nicht die schlechteste Idee.

Manchmal, als ich 1983 in den Sommerferien beim Bau einer Schule half, kamen die Bauarbeiter mit Gießkannen über den staubigen Platz gelaufen: Regenpause! So einfach war es, Gott zu sein. Man versammelte sich in verrauchten Bauwagen und wartet bis der virtuelle Schauer vorbei war. Und da war kein Bauleiter, der widersprach, vor allem in den Sommern nicht, die nicht enden wollten.

Boris und Arkadi Strugatzki betrieben einen erheblichen größeren Aufwand, um diesem Problem zu begegnen. Da mussten fremde Planeten her und eine technisch überlegene Zivilisation, mit der der Leser sich identifizieren konnte. Und weil diese Zivilisation technisch überlegen war, war sie in ihrem Selbstverständnis auch moralisch überlegen. Ein Gott zu sein, ist schwer. Der Titel des Buches, ein Denkmodell, das über Blockgrenzen hinweg funktionierte. Die Frage war nur, ob man eingreifen soll, ob man eine vorgezeichnete Entwicklung beeinflussen darf, weil man besser durchsieht, weil man an Stelle der Unterentwickelten und im Sinne des Fortschritts handeln könne. Aber der Aufwand, nicht zuletzt sich selbst dies Illusion zu vermitteln, man könne, ist immens und die Vorstellung aus einer solchen Konstruktion auf eine wie auch immer geartete Realität schließen zu können, eine illusionäre. Einzig eine Gießkanne löst das Dilemma. Alles eine Frage der Definition. Ach, quatsch, würden die Bauarbeiter sagen, Regenpause ist Regenpause.

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