Text zur Krise

Katerina Gogou (1940 bis 1993, Athen)
.

»Dichter zu werden,
davor ging mir der Arsch auf Grundeis.
Dass ich im Zimmer hocke, eingesperrt,
auf das Meer glotze, vergesse.
Dass die Narben über meinen Adern verheilen.
Trübe Erinnerungen und Fernsehnachrichten
mich die Tinte verwischen lassen
und meine Ansichten billig verkaufen.
Dass mich die Klasse, die uns zerquetscht, anerkennt,
um mich geschickt zu benutzen.
Dass mein Gebrüll zum Gemurmel wird,
mit dem ich die Menschen um mich herum in den Schlaf flüstere.
Dass ich Metrum und Reim erlerne, mich unterwerfe,
um gesungen zu werden.
Dass ich mir ein Fernglas besorge,
um mir die Lügen herananzuzoomen,
die ich nie besteigen werde.
Dass mir Priester und Akademiker auflauern,
wenn ich müde bin,
und mich zum Schuft werden lassen.
Sie sind geschickt und haben die Alltagsroutine,
an die du dich gewöhnst.
Sie haben uns zu Hunden gemacht,
dass wir uns an den Feiertagen schämen,
aber nichts gegen die Untätigkeit tun.
So ist es.
Auf uns warten an jeder Ecke
gute Seelenklempner und schlechte Bullen.
Marx …
ich habe Angst vor ihm,
mein Verstand ignoriert ihn,
und dieser regierende Abschaum ist schuld,
dass ich dieses verdammte Gedicht
vielleicht nie zu Ende bringen werden,
vielleicht …. an einem anderen Tag … oder?«

(aus dem Griechischen von Jorgos Kartakis und Jan Kuhlbrodt)

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