Politik

Es war sehr schön, in Frankfurt zu lesen, direkt am Main im Blauen Haus. Auch feute ich mich, meinen Lieblingswolkenkratzer zu sehen. (Westend Eins. Ich hab mich  früher mal gefragt, ob man Bankentürme schön finden darf, da war ich noch sehr jung, und fand sie schön, nicht alle, aber Westend Eis hab ich von Anfang an gemocht.) Etwas irritierte mich allerdings: Ein älterer Herr warf uns (also allen drei Lesenden) Politikferne vor. Dabei halte ich uns drei, und zwar jeder auf seine Weise, für eminent politische Autoren (Martina Hefter, Martin Piekar und mich). Politik in der Dichtung, das kann doch nicht bedeuten, dass sie in Kampfgeschrei oder das Formulieren von Slogans mündet. Und vielleicht ist ja vermeintliche Politikferne auch das eigentlich Politische an der Dichtung, dass heißt, dass sie sich keinem Schema unterwirft und über sich hinausgeht, indem sie konsequent bei sich bleibt. Und vielleicht formulieren Wolkenkratzer ja auch eine Utopie, die über ihre Funktion hinausweist. Nicht alle vielleicht, aber Westend Eins z.B.)

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Eine Antwort zu Politik

  1. xopolino schreibt:

    Ganz lapidar gefragt: gibt’s denn einen Text, der NICHT politisch ist? Er steht ja, auch wenn er sich „raushält“, immer im Kontext des aktuellen Geschehens. Und selbst wenn jemand in einer Zeit, wo der IS in Syrien Krieg führt und hunderttausende Flüchtlinge über die Adria kommen und der Ukrainekonflikt immer noch anhält undundund, sich raushält und nur über niedlich anzuschauende Blümchenwiesen schreiben würde, so ist das auch eine Aussage: Nämlich der Nichtbeteiligung, oder des Ausblendens, oder des Eskapismus. Eine Nichtaussage ist auch eine Aussage.
    Und ich denke schon auch, dass die Gedichte von Jan Kuhlbrodt und Martina Hefter um sehr politische Inhalte kreisen, nur eben nicht in so einem vorzeigbaren Sprechakt, nicht so offen ausgespielt. Es geht ja doch auch viel feiner. Man kann Inhalte pointieren,, hintergündig akzentuieren, ansopielen usw., der Rest (= das Wesentliche) steht somit ganz oft zwischen den Zeilen. Und in diesem Zusammenhang geht es mir (als elder poetsman! 😉 ) so, dass ich dieses Geschrei, Texte wären „politikfern“, in vielen Fällen nicht mehr hören kann, weil es meistens eine Forderung nach expliziter Nennung politischer Inhalte ist, die ohnehin jeder kennt und benennen könnte, oder die Forderung, allgemein bekannte Dinge banal und ausgesprochen und plakativ in Texte hineinzuformulieren. Gedichte bringen aber doch i.d.R. gerade nicht derart bekannte Thesen zum x-ten Mal auf den Punkt, und erst recht sollen sie nicht in klar verständliche „Slogans münden“. Aus meiner Sicht sind gerade Gedichte nicht wirklich Textflächen für explizit Formulierbares, es sei denn, man macht Agitprop; aber wenn ich sowieso weiß, was ich sagen will und einen klaren (Gedanken-)Katalog an ausspielbaren Thesen habe und wenn ich sowieso einen Inhalt pointierter und schärfer sagen kann, indem ich eine Artikel verfasse oder eine politischen Essay schreibe oder irgendwo vortrage (und dann wohl eher nicht im Blauen Haus – schöner Ort übrigens!!), – warum dann noch den Umweg über ein Gedicht gehen?

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