Nachtrag Neobiedermeier

Es ist keinesfalls so, dass dieser Begriff für die gesamte gegenwärtige Produktion Geltung beansprucht. Ohnehin gibt es keinen Begriff, der das könnte. Er fasst lediglich eine Strömung innerhalb des Gesamtfeldes zusammen, nicht das gesamte Feld. Dennoch gibt es eine Tendenz in der Wahrnehmung von Lyrik und deren Bepreisung, die eine solche Kategorisierung zulassen könnte, und er zieht eine Parallele zu außerlyrischen gesellschaftlichen Bewegungen. Und auch diese Repräsentieren nicht das Feld. Mir geht es also um das Einhäkeln von Bäumen und Fahrbahnbegrrenzungen, das in den letzten Jahren in Mode gekommen ist. Die Ästhetik also der Berliner Republik, die sich mehr und mehr in vermeintlichen oder wirklichen Belanglosigkeiten gefällt. Klar sind die Stricknadelartisten eine Minderheit, werden aber in der medialen Wahrnehmung zu einer bestimmenden Strömung.  Dem stehen allerdings viele Einzelwerke und Arbeitsweisen gegenüber, die sich nicht über einen begrifflichen Kamm ziehen lassen, die es aber aufgrund eben dieser Einzgartigkeit schwer haben, breiter rezipiert zu werden. Hier sehe ich einen Ansatz, wie Kritik auch politisch wirksam werden könnte. Sie muss die Rosenhecke durchstreiten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Nachtrag Neobiedermeier

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Die Frage, die mich interessiert ist, warum sie eben das in den allermeisten Fällen nicht tut, die Kritik? Politisch wirksam wird sie ja auch in ihrer Verweigerung, die Rosenhecke zu durchschreiten.

  2. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    Vielleicht steht sie derart unter Zeit- und Finanzdruck, dass sie sich auf die vermeintlich leicht rezipierrbaren Titel stürzt, weil sie die mit ihrem
    Werkzeug aus dem Manufactumkatalog bearbeiten kann. Das macht sie Konservativ,

  3. umtriebe schreibt:

    die wenigsten Kritikerinnen/ Kritiker haben noch eine feste Anstellung, und dann schlagen sie mit der Besprechung eines Buches von einem relativ unbekannten Autor bei der Zeitung oder im Rundfunk auf, wo der verantwortliche Redakteur sagt: Kennen wir nicht, bringt uns nichts (keine Abonnenten, Einschaltquoten …). D.h., das Wollen der Kritiker*innen ist wohl oft größer als die Offenheit diverser Medien.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s