Aphorismen

In einer Phase meiner Schulzeit mochte ich Aphorismen sehr, sie gaben mir das Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen, waren mit dem herablassenden Lächeln des Wissenden formuliert, der aber am Ende doch nur ein Besserwisser war. Sicher waren wir auf der richtigen Seite der falschen Sätze oder umgekehrt. Die verschwörerische Geste einiger Lehrer, die mit Vorliebe derartige Sätze zitierten, ließ mich stutzen. Mit dem Zweifel an den eigenen Positionen, dem Ende ihrer Festigkeit, kamen auch die Zweifel am Aphorismus, und solang ich nach einer verborgenen Wahrheit suchte, die zwar verschüttet lag, die es aber dennoch geben musste, brachten mich Aphorismen eher in Rage.  Ich unterstellte ihnen, sie würden mir das Falsche als das von mir Gesuchte und als reine Illusion unterschieben wollen. Mittlerweile habe ich genug verworfen, dass mir das Feste nur noch als das Vage denkbar ist, und ich kann mich wieder an der Lektüre von Aphorismen erfreuen. Nicht an der Wahrheit, die sie verkünden, sondern am komprimierten Gedanken, der in ihnen erscheint.

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