H. M.

Ein wenig trotzig habe ich bislang auf die Anschaffung der Neuausgabe der Gedichte von Heiner Müller verzichtet und mir immer wieder recht versonnen den Band von 1998 aus dem Regal gezogen, der seinerzeit als Band I der Werkausgabe erschienen ist, und hab mich damit in Erinnerung geflüchtet. Ich kann mir auch den neuen Band nicht leisten und aufgrund der breiten Besprechung ist es mir wohl auch nicht möglich, mir ein Presseexemplar zu bestellen. Rezensieren ist für mich der Weg, zu den Büchern zu kommen, die ich begehre. Aber gerade Müller zählt für mich zu den wichtigsten Autoren. Die Begegnungen mit seinen Texten sind mir allemal präsent.Ich erinnere mich zum Beispiel an die erste Begegnung mit Wolokolamsker Chaussee V. Es gab Ende der Achtziger einen Vorabdruck in Theater der Zeit. Ich saß in einem Reserveausbildungslager der NVA am Rand eines Uransees, war frsich degradiert worden, und am Abend lasen Studenten der Schauspielschule Leipzig, die das gleiche Schicksal ereilt hatte, diesen Text im Klubraum der Kaserne. So ziemlich alles, was ich damals schrieb, war von diesem Text beeinflusst, auch wenn es ein Stück war und kein Gedicht. Aber so genau habe ich das damals nicht getrennt, und tu es heute nicht. Das „Feindbild im Spiegel“ ist ein Motiv, das mich seitdem begleitet. Ein paar Jahre später dann das Gedicht Herzkranzgefäß. Die Zone war Geschichte und ich studierte in Frankfurt am Main. Der Hammer. Und in Frankfurt gabs die Mülleriade. Theaterglück! Auch die Kollaborationen von Müller und Heiner Goebbels. Und ich bin am Anfang der Neunziger nach Berlin gepilgert, um seine letzten Regiearbeiten zu sehen. In der Kantine des BE kam ich zufällig neben ihm zu sitzen. Allerdings fiel mir nicht allzuviel ein, was ich ihm hätte sagen können. Die Begegnungen mit seinen Texten waren produktiver.Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich bislang davor zurückschreckte, das Buch zu rezensieren. Nun scheint es so, dass ich nicht mehr umhinkann, mir das Buch noch irgendwie zu besorgen. Vielleicht lass ich es mir zum Geburtstag schenken.

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Eine Antwort zu H. M.

  1. summacumlaudeblog schreibt:

    51,30 Euro, auch ein Weg zur durchschlagenden Wirkungslosigkeit. Der Preis ist eine Frechheit, aber die alte Ausgabe tuts durchaus auch.

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