Sprachdesign

Eine Ausführung Ingolds, ein Kurzessay eigentlich über Sprachdesign (das was auf uns eindrängt, Werbung, Grafitti und dergleichen) und Dichtung lässt mich an Meine Ankunft in Frankfurt am Main denken. Februar 1990. Ich kam aus Leiptzig, das im Grunde nur spärlich beschriftet war. Kaum Werbung. Auf einem innerstädtischen Hochhaus der Goethespruch: Mein Leipzig lob ich mir …, verkürzt natürlich. Frankfurt hingegen war zumindest in der Innenstadt flächendeckend beschriftet. Ein Text von damals (einigermaßen naiv ): aber stellt einen Bezug zu Mühsam her, von dessen grandiosen Tagebüchern ich damals noch nichts ahnte.

Ist beschrieben die Straße,
In tausend Worten:
Weinert – Automobile
Lassen kaumPlatz,
Selbst die Straßenbahn
Trägt schon das Handelsblatt.

Wohin mit dem abfallenden Satz

Aus der Mühsamsammlung?
Neben Reifen-Knöpfel vielleicht
Oder zwischen Grundig und Toyota
Oder da unter die Marlboroschachtel?

Dieser Satz, der keinem
Auf der Stirn geschrieben steht:
Flüsterpropaganda.
Wie bitte, was sagten sie?
FLÜSTERPROPAGANDA!
Dieser Satz aus der Sammlung.

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Eine Antwort zu Sprachdesign

  1. amruthgen schreibt:

    „Frankfurt hingegen war zumindest in der Innenstadt flächendeckend beschriftet.“
    Es ist schon seit langem in Mode gekommen, möglicherweise eine Sitte geworden, Schulzimmer „flächendeckend“ zu beschriften. Dann steht im 1. Schuljahr das ABC je nach Lehrer-Geschmack ‚designed‘ an den Wänden, angereichert mit Regeln, und vielen weiteren Zeichen. Diese ZEICHEN AN DER WAND werden von Autoritäten, d. h. Lehrern angebracht, die es für angebracht halten, für notwendig gehaltenes ‚Wissen‘ den Kindern vor Augen zu halten. Dies scheint auch für die vielen Sprachzeichen in der Stadt zu gelten. Da meldet sich doch jeder mit seinen Interessen zu Wort. Mir nehmen die Sprechzeichen den Blick auf anderes. Wenn schon Zeichen, dann lieber Bildzeichen, da wird bei mir wenigstens mein ‚imaginieren‘ aktiv. Über Sprachzeichen kann ich manchmal nur den Kopf schütteln. Habe ich oft genug den Kopf geschüttelt, schaue ich nicht mehr hin.

    Gruß Monika

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