Dreikönigstag

In meiner sozialistisch-protestantischen Herkunftsgegend kein wichtiges Datum. Nach der Reformation hatte man hierzulande Bilder und Zauberei aus den Kirchen entfernt. Aber vielleicht nicht die Sehnsucht danach; und vielleicht fand diese Sehnsucht ja Ausdruck in den Bluesmessen des Karl-Marx-Städter Jugendpfarrers Theo Lehmann in den frühen Achtziger Jahren, die ich (damals Sozialist) mit meinen Freunden (zumeist Protesanten) besuchte.

Als Dauerthema der letzten Tage die Frage nach der Authentizität. Im Grunde die zentrale Frage bei der Lektüre von Tagebüchern. Welche Rolle spielen historische Daten. Natürlich ist der Hintergrund des Mühsambuches der erste Weltkrieg. Aber das ist er ja bei vielen Büchern, die man (ich) ohne zu zögern als fiktional bezeichnen würde. Sergeant Grischa, Im Westen nichts Neues. Schweyk. Passagen aus Tollers Eine Jugend in Deutschland … Die, die mir sofort in den Sinn kommen.

Habe ich die Bluesmessen selbst besucht, oder hat man mir nur eindringlich davon berichtet, so dass ich eine fremnde Erinnerung übernahm. Jedenfalls stand der Platz vor der Kierche voller Langhaariger in Jeansjacken. Ich selbst trug eine gefärbte Malerhose und Felskletterschuhe. Wenn ich mich recht erinnere.

Aber schon bei Toller erwächst die Fiktion aus der Autobiografie. Sein Leben scheint das Material des Buches. Für mich natürlich nicht nachprüfbar außer den Eckpunkten, die er aber auch mit den Zweig- Remarque- und Hasekbüchern teilt, die also kein Indiz für Authentizität sein können.

Bei Ingold in Leben und Werk  wird es noch ein wenig komplizierter, weil er die Jahre übernanderlegt. Die Zeit wie ein Haus mit gläsernen Fußböden in das man von oben hineinschaut, und die verschiedenen Wohnungen erscheinen als eine.

Und am Dreikönigstag auf einer der Etagen eine längere Reflexion über das Verhältnis von Wort und Wirklichkeit und die Einbahnstraße die die Übersetzung von Außertextuellem in Sprache ist. (Ich habe jetzt eine unbändige Lust, Benjamin zu lesen. Vielleicht am Abend, noch habe ich einiges zu tun.)

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Eine Antwort zu Dreikönigstag

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