Literaturkritik

Wenn Literaturkritik Dienstleistung ist (sein soll), wem dient sie dann?

Dient sie dem Werk, indem sie es erweitert? Kontextualisiert.

Dient sie dem Leser, indem sie Vorgaben macht? Ihn auf die Schiene setzt? Ihm Kriterien schafft?

Am Ende doch kann sie beides nur, indem sie dem Kritiker dient, ihm hilft, seine wirren Gedanken angesichts einer Lektüre zu konzentrieren und kanalisieren. Sie sagt über ein Werk nur aus, inwieweit es Treibstoff sein kann, für die Gedankenfahrt, die die Kritik ist.

Insofern ist Kritik subjektiv. Vor allem in der Wertung.

Der objektive Gehalt des Werkes erweist sich im Diskurs, oder den Diskursen die es eröffnet, zulässt, anschiebt etc. , dass heißt in seiner Kritikfähigkeit (und Kritikwürdigkeit).

Es macht keinen Sinn über ein Buch zu schreiben, dass solche Kritik nicht zulässt.

„Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“

Das Werk sitzt auf der Grenze des Sagbaren und ist zugleich die Grenzüberschreitung. Kritik ist vielleicht das Dokument einer Grenzverletzung, die eine Erweiterung des Eingehegten wäre.

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3 Antworten zu Literaturkritik

  1. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    fragen von daniela seel zum artikel (auf fb):
    wie hängen kritik und wertung zusammen? oder abwägung? wenn kritik texte erweitert, rekontextualisiert, dann wäre das ja eher sortierung als wertung. also woher kommen kriterien, worauf zielen sie? oder machen weniger die kriterien die kritik als ihre ihre positionierung, also ihre macht im diskurs?

    • muetzenfalterin schreibt:

      für mich persönlich eine wunderbare lösung, positionierung, statt wertung. das bedeutet eine auseinandersetzung mit dem werk, die persönlich ist, ohne auszuschliessen, insofern wirklich eine grenzverletzung als erweiterung des eingehegten.

  2. Kritik legt den Text unter das Vergrößerungsglas, sie ist ein geduldiges Studieren und Aufschreiben. Wertung bedeutet dagegen eine schnelle Geste (die aber auf langsamer Einübung beruht – Ergebnis fortgesetzten Lesens). Wertung erfordert Vergleichslektüren, Kritik kann textimmanent verfahren. Das ist auch gar nicht schlecht, denn es ist natürlich immer möglich zu sagen: „Aber Rilke …” (oder irgendein anderer großer Name, neben dem alles andere klein aussieht). Kritik geht der Wertung voraus, sollte diese aber einschließen. (Sortierung ist vielleicht auch schon eine Art Wertung.) Woher kommen Kriterien? Hm. Leichter scheint mir zu beantworten, worauf sie zielen: sie setzen ein Niveau (voraus), dem sich der kritisierte Text gewachsen zeigt oder nicht. Hinsichtlich der Kritikwürdigkeit würde ich sagen, dass es sich beim kritisierten Text um einen ‚labyrinthischen‘ Text handeln sollte, um einen Text, mit dem der Kritiker nicht leicht fertig wird, mit dem er vielleicht gar nicht zu einem Ende kommen kann … Das hat die Kritik mit dem Übersetzen gemeinsam, das auch eine unendliche – und im Grunde unmögliche – Aufgabe ist.

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