Denken ohne Bekenntnis

Das Schöne am Philosophieren, und da liegt wahrscheinlich der Unterschied zur Religion, ist, dass es ohne Bekenntnis auskommt. Das musste ich lange lernen und verstehen. Im Osten war klar, dass man sich zuordnen musste. Marxistisch oder auf dem brechenden Ast bürgerlicher Philosophie. Amboss oder Hammer sein! Goethe für die Bevölkerung und Denken im Sinne von …. Unbefreit also jenseits der Befreiung.  (Die Befreiung des Prometheus von Heiner Müller bringt das auf den Punkt und vielleicht ist es ein Charakteristikum von Diktaturen, dass man Philosophie dort in der Belletristik oder den Literaturwissenschaften suchen muss, oder im Exil. Manchmal sehnt sie sich, die Literatur nach solcher Relevanz) Aber noch im Frenkfurt der Neunziger war man entweder Habermasianer oder Anhänger der alten „echten“ kritischen Theorie.  Man belächelte sich gegenseitig, beschimpfte sich, umging sich in den Debatten. Jeder sprach von Überwindung. Niemand von Transformation. Die Gesellschaft als Eskaladierwand. Das Überwinden überwinden. Damit verliert sich allerdings Geschichte. Nietzsches ewige Wiederkehr des Gleichen titt gewissermaßen vor den Horizont. Und jetzt, da ich das schreibe, fühle ich mich schon wieder weniger befreit. Eine leichte Sehnsucht nach Bekenntnis macht sich breit.

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