Trakls letzte Tage

Gestern kam ein Päckchen mit zwei Büchern des Velags müry salzmann. Auf eines, das Debüt der Schweizer Autorin und bildenden Künstlerin Bettina Wohlfender, hatte ich schon gewartet, und die Fahnen hatte ich schon gelesen. Allerdings macht die Lektüre von Papier, zumal in einem wunderschön gestalteten Buch, noch einmal einen riesen Unterschied.

Das andere Buch war eines mit zwei Erzählungen Kappachers. Trakls letzte Tage beschäftigte mich dann auch den Reste meines gestrigen Tages und den heutigen Morgen. Kappacher schreibt Trakls Lebensrest aus der Sicht des drogenkranken Dichters und verwebt den Text mit Zitaten. Eine Art Collage aus Er- und Vorgefundenen. Hintergrund der Beginn des ersten Weltkrieges. Immer wieder dabei taucht auch der Dichter Johann Christian Günther auf. Ein Autor zwischen Barock und Sturm und Drang. Lebenspraktisch daran gescheitert, eine Existenz als freier Schriftsteller zu führen. Er wird vom Vater enterbt, als er sein Medizinstudium abbricht. Er stirbt im gleichen Alter wie Trakl. Und Trakl liest im Jahr seines Todes Günther.

hier einer meiner Lieblingstexte Johann Christian Günthers (und einer meiner Lieblingstexte überhaupt). Er lebte von 1695 bis 1723-

Trostaria

Endlich bleibt nicht ewig aus:
Endlich wird der Trost erscheinen;
Endlich grünt der Hoffnungs-Strauß;
Endlich hört man auf zu weinen;
Endlich bricht der Thränen-Krug;
Endlich spricht der Tod: Genug!

Endlich wird aus Wasser Wein,
Endlich kommt die rechte Stunde;
Endlich fällt der Kercker ein;
Endlich heilt die tieffe Wunde;
Endlich macht die Sclaverey
Den gefangnen Joseph frey.

Endlich, endlich kann der Neid,
Endlich auch Herodes sterben;
Endlich Davids Hirten-Kleid
Seinen Saum in Purpur färben,
Endlich macht die Zeit den Saul
Zur Verfolgung schwach und faul.

Endlich nimmt der Lebens-Lauff
Unsres Elends auch ein Ende;
Endlich steht der Heiland auf,
Der das Joch der Knechtschafft wende;
Endlich machen viertzig Jahr
Die Verheissung zeitig wahr.

Endlich blüht die Aloe;
Endlich trägt der Palm-Baum Früchte,
Endlich schwindet Furcht und Weh,
Endlich wird der Schmertz zu nichte,
Endlich sieht man Freuden-Thal,
Endlich, Endlich kommt einmahl.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s