Leben und Werk

Wahrscheinlich ist man viele Leser. Jedenfalls geht es mir bei der Lektüre von Ingolds Leben und Werk so. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass ich, wenn ich über die Rezension des Buches  durch H. Jackson auf Signaturen nachdenke, ein anderes Buch lese, als jenes, das gerade aufgeschlagen vor mir auf dem Schreibtisch liegt und worin in einem Eintrag vom Februar eine Passage aus Ingolds Roman Alias entworfen und der Gang der Romanhandlung eintfaltet wird: Ein deutscher Soldat, Gefangener einer Gruppe Rotarmisten, wird in den Winter geführt und erschossen. Ich erinnere mich sehr genau an diese Passage und auch daran, dass ich bei der Lektüre an die dramatische Bearbeitung eines Textes von Alexander Bek denken musste. Es geht um Exekutionen. Bei Ingold wird der Deutsche durch die Rotarmisten erschossen. Bei Müller/Bek durch die eigenen Genossen ein Sowjetsoldat, der angstvoll vor dem deutschen Feind wegrannte. Logik des Krieges. Aber auch Beginn oder Moment einer gesellschaftlichen Bewegung. Letztlich hatte sich der Kommunismus an eben dieser Kriegslogik ausgerichtet, ist an ihr auch zerbrochen. Wie komme ich aus dieser Denkbewegung also heraus? Sicher durch weiterlesen. Die Schilderung des eher sanften Todes von Ingolds Mutter. Irgendwie sträubt sich alles in mir, über den sogenannten Literaturbetrieb nachtzudenken. Meine Dosis hatte ich gestern als ich zum 2. Mal ein Gespräch mit Hartung hörte. (Lyrisches Kabinett) Ich werde Leben und Werk sehr langsam weiterlesen. Und natürlich denke ich dabei über eine Besprechung nach. Aber dieser Gedanke soll meine Lektüre nicht bestimmen: Und wer eine empfehlung braucht: Hier ist sie. Lesen sie dieses Buch und verzichten sie nicht auf die rhizomatisch sich fortpflanzende Lektüre, die sich daraus ergibt. Vor allem den 6. Brief von Gerschenson an Iwanow: Ich wiederhole was ich Ihnen neulich schrieb: unser Bewußtsein kann nicht der Kultur transzendent werden oder doch nur in seltenen Ausnahmefällen. Sehen sie doch, wie sich unser Frteund Schestow im Netze abplagt. Wie oft haben wir von ihm mit Liebe gesprochen! Hat nicht gerade er die leere der Spekulationen. den tötenden Dogmatismus der Ideen und Systeme durchschaut?  … Sehnsuchtsvoll aber ohnmächtig sucht sein Geist sich loszureißen, bald müht er sich, die Knoten des dogmatischen Denkens, welches die Menschheit umwickelte, zu entwirren, bald wieder erzählt er hingerissen von den monumentalen Durchbrüchen, welchem diesem oder jenem, Nietzsche oder Dostojewski, Ibsen oder Tolstoi, gelangen und von ihren jammervollen Rückfällen in den Kerker.

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