Vielleicht

muss man ein gewisses Alter erreicht haben, in dem man nicht mehr mit einem gewissen Neid auf die Gleichaltrigen und Jüngeren blickt, die, wie es scheint. aus allen Himmelsrichtungen strömen, und trotz der uneinheitlichen Richtung (paradox)  zu Überholmanövern ansetzen; ein Alter, in dem man sich nicht mehr sagt: ich hab ja später angefangen; aber auch nicht: Ich hab ja später noch Zeit. Als ob noch der Gegenverkehr von hinten käme. Eine merkwürdige Situation. Unerkannte Spiegel und reale Abbilder. Gewimmel. Der Ameisenhaufen der Literatur. Arbeiter, damit beschäftigt, eilig die Eier fortzuschaffen. Sie begegnen Ameisen, damit beschäftigt, andere Eier eilig fortzuschaffen.  Aufenthaltsstipendiaten? Deren Geschwister? Ein halbes Jahr irgendwo, wo man nie hin wollte? Oder zumindest nicht wußte, dass man da hin wollte. Gelassenheit jetzt. Zumindest in Maßen gelassen bin ich. Angesichts der tausend Seiten Ingold, die ich langsam lese, und zwei Büchern von Carson. Formfragen. Bei beiden. Die Antwort besteht darin, dass sie sich aufwerfen. Und das Ich, das bei beiden ein authentisches scheint, zumindest in diesen Texten? Aber was heißt schon authentisch? Der Autor der anderen Texte ist doch immer meine Konstruktion. Auch Ingold. Auch Carson. Und die Schmerzen in einer Schweizer Eisenbahn. Der Disput mit dem Schaffner, die Reflexion auf dem Jakobsweg? Erfindung und Korrektur heißt ein Text von Mierau über Tretjakow. Eine Formulierung, die mir immer wieder durch den Kopf geht. Beide Bücher (Carson und Ingold) verleiten zu Lektüreabschweifung. Tanizakis Lob des Halbdunkel liegt wieder auf meinem Schreibtisch (der eher ein Lesetisch ist, obwohl das Manuskript für das Frühjahr gut voran kam zuletzt.), auch der unvermeidliche Montaigne und gestern bestellte ich mir noch ein Buch auf das ich in Ingolds Text gestoßen bin: Iwanow/Gerschenson: Briefwechsel zwischen zwei Zimmerwinkeln (von Mierau herausgegeben.

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Eine Antwort zu Vielleicht

  1. mickzwo schreibt:

    Genau: „…was heißt schon authentisch?“

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