zwei texte

die ich parallel lese und die mich beide auf besondere weise ansprechen. direkt. eine art echo aus der geschichte. zum einen stefan gandlers frankfurter fragmente. als ich 90 zum studium nach frankfurt kam wa gandler gerade astavorsitzender. linke liste. wir nannten uns undogmatisch, und er war einer der lieblingsstudenten von alfred schmidt. seine dissertation schrieb er über den spanisch mexikanischen marxisten adolfo sánchez vázquez. die arbeit trieb ihn aus deutschland heraus nach mittelamerika. seine frankfurter fragmente sind ein beeindruckendes dokument von desillusionierung und philosophischem trotz. ein festhalten im bewusstsein der vergeblichkeit. ich werde den band bei gelegenheit ausführlich besprechen.

und wenn man die ganze sache historisch politisch betrachtet, so kann man doch auf den gedanken kommen, dass es soetwas wie einen werkenntnisfortschritt nicht gibt. jedenfalls ist es schwer, unter der vorstellung einer fortschreitenden menschheit solch phänomene wie den Islamischen Staat zu erklären, aber auch die anhaltende rat- und hilflosigkeit der sogenannten intellektuellen angesichts auch der vorgänge in der ukraine und den rückfall in ein merkwürdiges blockdenken. (von den ökonomischen plattitüden der deutschen regierung wollen wir hier gar nicht anfangen)

der andere text, wahscheinlich hätte ich ihn kaum zu lesen begonnen, hätte mir anne weber ihn nicht geschickt, ist badious theorie des subjekts. subjekt — dieses zauberwort der philosophie der moderne, dass es einmal zu erheben ein anderes mal zu dekonstruieren gilt. es zerfasert, zerfällt, kehrt wieder und wieder. und hier bei badiou natürlich als revolutionäres im zustand der selbstbewusstheit. aber badiou kennt seine herkunft aus dem geiste des christentums. er wird nicht zum nietzscheaner wi manch anderer poststrukturalist. vielleicht ist es sein dogmatismus, der ihn davon abhält (ja manchmal hat eine gewisse verbortheit ihr gutes.) und der text stammt aus den siebzigerjahren. diesen vorsprung sollte man ihm lassen, bevor man ihn mit zeitgenössischem besteck zerlegt. und vielleicht geht es uns ja bei der grabung in alten texten wie schliemann mit troja. wir meinen zu wissen, wonach wir suchen und zerstören dabei die verborgene struktur, die vergangenheit und das, was sie uns hätte mitteilen können. jedenfalls scheint mir badious ableitung der hegelschen dialektik aus christlicher motivik auf anderthalb seiten zumindest bedenkenswert, und auch wie er sie letztlich prokommunistisch gegen den sozialismus in stellung bringt. ok. vielleicht ist das ein antikes schlachtengemälde, aber als solches äußerst sehenswert/lesenswert.

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