Moderneanker – Bollhagen und Palucca

Bei meinem Aufwachsen in der DDR waren es (für mich) vor allem Künstlerinnen, die so etwas wie einen Moderneanker darstellten, die einen vergangenen (und verschütteten) Aufbruch im Bewusstsein hielten: die Tänzerin und Choreografin Gret Palucca und die Keramikerin Hedwig Bollhagen. (Alle meine Freundinen und Freunde hatte das eine oder andere Sück aus ihrer Werkstatt in ihrem Regal stehen. Kleine Schüsseln oder ganze Services.) In die Arbeiten dieser Frauen rettete sich der formalistische Charakter der Kunst der Zwanziger Jahre und ich sah sie mit einer Mischung aus Faszination und Befremden. Gerade landete eine Palucca Biografie von Susanne Beyer (AvivA Verlag) auf meinem Schreibtisch und ich bin gespannt wie selten.

Marianne Brandt: Palucca tanzt

marianne.brandt.dance

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4 Antworten zu Moderneanker – Bollhagen und Palucca

  1. summacumlaudeblog schreibt:

    Hiddensee assoziiere ich noch mit Palucca und ihr von Jahr zu Jahr zunehmend maroder werdendes Haus knapp hinter der Düne. Ausdruck der Stase. Aber mittlerweile wohl „gerettet“ durch Geldflüsse. Kinder der Palucca sah ich jüngst mit beats-Kopfhörer in der Berliner U-Bahn zu uns unbekannten Rhythmen tanzen. Der kopfschüttelnde Rhythmus der Kontrolleurin gab einen schönen Kontrast.
    Aus einer Bollhagentasse trinke ich gerade den Morgenkaffee. Reiner Formalismus? Hedwig Bollhagen hat immer gesagt, sie mache doch nur „Töppe und Tassen“.

  2. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    genau darin liegt ja die weisheit des formalismus, im nur „töppe und tassen“. und die schönheit der toppe und tassen.

  3. lyrikzeitung schreibt:

    übrigens gibt es zu hedwig bollhagen eine dunkle seite, etwa im holocaust-museum zu besichtigen. 1934 übernahm sie den betrieb im zuge der „arisierung“ von margarete heymann. hier beispiele für deren produkte http://www.markanto.de/blog/2014/bauhaus-aus-koeln-das-werk-von-margarete-heymann-loebenstein.htm

    hier eine differenzierte bewertung http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/2411

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