Kafka in Übersee

Und nach ein paar weiteren Geschichten muss ich an Urzidils Erzählung „Kafkas Flucht“ denken, an die ich ohnehin oft denken muss und die mit dem Satz beginnt: Mit mehr als Achtzig jahren lebte Kafka noch immer als Gärtner auf Long Island.

Und ich frage mich, ob die Information dieses Satzes vielleicht mehr wesentlich mehr beinhaltet, als eine literarische Rettung des Freundes und Kollegen. Denn hätte Kafka die Tuberkolose überlebt, hätte er emigrieren müssen wie Urzidil oder wäre wie seine Schwestern in Auschwitz ermordet worden. Vielleicht ist ja emigriert, was wir den literarischen Zugriff nennen, vielleicht steckt ja in Brautigan und Davis, in Pynchon und King mehr Kafka als in der gesamten deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. (Der deutsche Film, die deutsche Komödie ist auch mit der Vertreibung von Lang und Wilder in eine schier bodenlose Hohle versunken.) Man kann das natürlich nicht an Kafka allein festmachen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Krechels Döblin-Passage in ihrem Roman Landgericht. Der Rückkehrer erleidet auf dem Bahnhof Mainz einen epileptischen Anfall. 

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Eine Antwort zu Kafka in Übersee

  1. Clarknova schreibt:

    Hat dies auf Novastation rebloggt und kommentierte:
    !!! „Vielleicht ist ja emigriert, was wir den literarischen Zugriff nennen, vielleicht steckt ja in Brautigan und Davis, in Pynchon und King mehr Kafka als in der gesamten deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.“

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