Krankheitsbild

Abgesehen davon, dass ich für Kohle arbeiten muss, werde ich zuweilen aber auch von meinen Interessen überrannt. In der Regel versuche ich beides zu verbinden, was zuweilen ganz gut gelingt. Aber  gerade habe ich zum Beispiel im Passagen Verlag von einem Gesprächsbuch gelesen, in dem sich Derrida zu seinem Verhältnis zu Marx und Althusser äußert.

Ein Fall für die Besprechung, aber auch ein Fall zur dringenden Lektüre ohne Besprechung. Ich kann schon gar nicht mehr ans Lesen denken, ohne dabei zu überlegen, wie ich die Lektüre ausschlachte, und wo ich eine Rezension anbieten kann. Kann man das als Krankheitsbild begreifen?

Das Derridabuch werde ich verschieben. (auf wann?). Verschobene Lektüren kann ich mir eigentlich nicht leisten. Andererseits träfe dises Derridabuch genau den Raum, in dem ich auch mein eigenes Selbstverständnis ansiedeln würde.

 

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3 Antworten zu Krankheitsbild

  1. xopolino schreibt:

    Ob es ein Krankheitsbild ist? Was Du schilderst, ist übrigens ein Grund, warum ich mich immer wieder vom Rezensieren lösen muss. ich bin ja in der luxuriösen Situation, dass ich es nicht unbedingt machen MUSS. Wenn finanziell was reinkäme, wäre es freilich besser. Zurzeit kann ich weder ausdauernd lesen noch rezensieren. Das kommt von diesem „Luxus“. 😉 Auch das ist für mich so gesehen ein Krankheitsbild. Dafür habe ich seit Jahresanfang einen „Lauf“, was eigene Texte angeht. Jeder findet das toll. Und, ehrlich gesagt, ich finde das gar nicht toll. Weil ich mit nichts anderem gut vorankomme. (Was nützen mir genau genommen all diese Texte, die ich in 2, 3, 4 Jahren dann vielleicht mal irgendwo unterbringe? Wenn überhaupt?) Mir ging es in Phasen, wo ich viel rezensiert habe, so, dass ich mich Büchern nicht mehr – wie soll ich sagen – in gewisser Hinsicht „naiv“ hingeben konnte. Immer lief da so ein (oft angenervter) Beobachtungsmodus mit, das Analysemaschinchen mit all seinen (manchmal ungerechtfertigten) Verdächtigungen schon im Vorfeld, so eine ungerechtfertigte Wachsamkeit („Wo funktioniert das Buch? Wo funktioniert es nicht?“). Ich habe in diesen Phasen Bücher nur noch mit gerunzelter Stirn gelesen („Was kann ich brauchen“), immer gleich Seitenzahlen notiert, wo eine gute Stelle ist, die sich zum Zitieren eignet, d.h. ich habe nicht für mich mehr gelesen, sondern nebenher schon im Kopf einen Artikel geschrieben, selbst – und das ist das Interessante – Bücher, die ich gar nicht rezensieren wollte. Es dauert bei mir Monate, bis es nachlässt. Mit dem Effekt, dass die Luft raus ist. Sie ist jetzt woanders drin.

  2. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    da sei gott vor, dass ich durch rezensieren noch zum rezensenten werde. nö. ich lese und dann schreibe ich, was mir so durchs hirn wabert. ein buch ist dann gut, wenn es mir gedanken aufnötigt oder abverlangt. über schlechte bücher verliere ich schon lange kein wort mehr (da müsstense mich schon sehr provozieren)

  3. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    trotzdem ist das lohndenken schon ziemlich anstrengend. und wenn der jury bist, musste klar auch mist fressen

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