Hawthorne

Drei Begegnungen im Hawthornejahr. Zwei davon sind natürlich seinen biografischen Daten geschuldet:

Brocans Neuübersetzung von Der scharlachrote Buchstabe

das gemeinsame Tagebuch Das Paradies der kleinen Dinge (mit einem guten Handkeessay als Vorwort.

Und es hat mich dann kaum mehr verwundert, in Shklars Ganz normale Laster auf Hawthorne zu treffen. Im Auftaktessay des Buches über Grausamkeit schreibt Shklar:

„Es liegen Welten zwischen Hawthornes erbitterter Überzeugung, dass die Menge des Bösen in der Welt gleich bleibt, auch wenn sich ihre Beschaffenheit verändert, und der Auffassung Nietzsches, nach der die Geschichte ein ewiger Untergang ist.“

Shklar konfrontiert hier den Apokalyptiker Nietzsche, den sie mit einer recht ungewohnten Skepsis betrachtet (ist Nietzsche doch einigen im späten 20. Jahrhundert zum Theoriegott geworden), mit einem eher pessimistischen Weltbild, das keine Erlösung in Aussicht stellt. Allerdings ist es gerade Hawthornes Pessimismus, der soetwas wie Handlungsfreiheit zulässt, während Nietzsches Heilsbotschaft eher das Gegenteil suggeriert.

Diese Konfrontation ist eine sehr spannende Sache. Interessant sind auf jeden Fall auch die Sartrepassagen in Shklars Text. (Ach Sartre! Den werde ich wohl niemals los.) Und Hannes Bajohr hat das Buch erschreckend gut übersetzt.

 

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Eine Antwort zu Hawthorne

  1. amruthgen schreibt:

    Heute habe ich mal wieder einen Kuhlbrodt-Abend. Noch mal ein Gedicht von mir:

    Einladung der Phantasie

    Ich lotse dich hinter die Welt,
    dorthin, wo das Licht der Sonne sich entzündet,
    dorthin, wo das Glänzen der Sterne blank gerieben wird
    dorthin, wo du wirklich bei dir bist.

    Dort herrscht Heiterkeit,
    Gelassenheit, Wohlwollen und Liebe,
    zwischen der Lerche, der Frühaufsteherin am Morgen,
    und der Amsel am Abend.

    Wenn du dorthin findest,
    so hast du genug für heute
    und dann jedes Mal wieder.

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