Herzl

Ich lese gerade in Chaim Nolls Roman „Die Synagoge„. Ein stark religiöser Jude und ein eher, nennen wir es so, bescheiden religiöser stehen in einer rührenden Verbindung. „Paul nahm das mit höflichem Lächeln zur Kenntnis. Er vermutete ein postoperatives Trauma, eine Verstörung nach einem schweren Eingriff. Und war seinerseits zu tolerant und zu gut erzogen, etwas, das er nicht verstand, nur aus diesem Grund mit Verachtung zu strafen.“

Bei der Lektüre erinnertie ich mich (plötzlich) daran, wie ich im Jahre 1990 bei Wohnungs- Studiums- Job- und Ideologiesuche bei wiesbadener Antiimps und RAF unterstützern landete, und sie mir mit spitzen Fingern eine Raubkopie von Herzls Judenstaat auf den Ostrucksack legten, letztlich um mich von der imperialistischen Verdorbenheit Israels zu überzeugen. Ich war ziemlich verwirrt, denn mit offenem Antisemitismus in der westdeutschen Linken hatte ich nicht gerechnet. Jedenfalls las ich dann Herzl und fand das Buch sehr aufschlussreich (allerdings nicht so, wie es die „Genossen“ intendiert hatten.)

Einer köstliche literarischen Begegnung mit Herzl findet sich übrigens in Hessels „Kramladen des Glücks.“

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