Blasenanthropologie

Zunächst fand ich ja das neu erwachende Interesse verschiedener Autoren an Anthropologie recht nachvollziehbar und auch interessant. Einerseits als Gegengewicht zu einem biologistischen Diskurs, der zwar schon eitwas zurückliegt, aber doch fortwirkt, gerade in der Wissenschaftspolitik, und andererseits als Reaktion auf die daraf folgende Reformulierung religoiöser Politik, als Reaktion auf religiösen Fundamentalismus. Nun hat die Anthropologie, wo sie vom Menschen spricht und nicht vom Individuum, selbst eine grundlegend fundamentalistische Tendenz. Dem versucht z.B. Zwierlen zu entkommen, in dem er die Frage nach dem Menschen als offene sich in ihrer Beantwortung reproduzierende Frage betrachtet. Damit konnte ich umgehen. Auch mit dem ausladenden Heideggerbezug in Magna Questio. Ich muss auch sagen, das eine Heideggerrezeption (bei allem atemstockenden Ärger, der damit verbunden ist) für mich doch auch immer etwas produktives hatte.

Aber, was ich eigentlich sagen wollte, ist dass ich vor Slotterdijkscher Blasenanthropologie dann doch zurückschrecke. Sicher müsste ich es lesen, um final darüber zu urteilen, kann mir aber nicht vorstellen, dass aus dem Geblubber plötzlich eine nachvollziehbare und kritisierbare Argumentation wird. Klappentext:

„… Deshalb ist dieses Buch von Peter Sloterdijk eines von der äußerst pessimistischen Sorte: ein Schwarzbuch über kommende Generationen. Denn da in der Moderne die Traditionsfäden chronisch reißen und immerfort neue Vektoren den Zug in Kommende bestimmen, wandeln sich die Individuen zu „Kindern ihrer Zeit“, Nachkommen „schlagen aus der Art“. Da moderne Elterngenerationen selbst meist schon zivilisatorisch labil antreten, gerät die Formung ihres Nachwuchses zu einem unbeendbaren Match zwischen potentiell schrecklichen Eltern und potentiell schrecklichen Kindern.“

 

Aha. Ratgeberliteratur für Habilitierte oder solche die Habilitieren wollen?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Blasenanthropologie

  1. amruthgen schreibt:

    Dieser Slotterdijk betreibt „Blasenphilosophie“ bis zum Abwinken. Anstatt zur Jagd auf die traditionelle Philosophie zu blasen, bläst er immer noch in ihr Horn. Was so viel heißt: Noch mehr Melodien mit den immer gleichen Instrumenten und Arangements. Er sollte sich mal eine Abschiedsmelodie einfallen lassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s