wieder Mühsam

Ich habe gerade in dem frisch im Verbrecher-Verlag erschienenen Mühsam-Lesebuch einen Artikel aus der Zeitschrift Fanal von 1927 gelesen, in der Mühsam eine Globalkritik sowohl am Marxismus als auch am Bismarckschen Staatsverständnis formuliert. Er sieht in beiden Gewächse einer Hegelschen Knolle, die sich, obwohl gemeinsam verwurzelt, als Pflanzen bekriegen. Vor allem die Kritik des Marxistischen Politikkonzepts die der Artikel enthält, scheint mir äußerst einleuchtend. Es ist im Grunde ein Etatismus, den Mühsam beschreibt, der sich hartnäckig in deutschen Köpfen hält.

„Marx schrieb eine, für die Zeit ihres Entstehens meisterhafte, aber sehr professorale Analyse des Kapitals, die er mit einer von Hegel entlehnten abstrakten Philosophie garnierte, wonach der Kapitalismus die naturnotwendige Konsequenz der sich am Faden der historischen Dialektik abspulenden Menschheitsentwicklung sei und der historische Materialismus sein Aufschwellen bis zur Überfülle bedinge, die ihn unter Nachhilfe der unausweichlichen proletarischen Revolution von selber platzen lassen werde.“ (Bismarxismus)

Der sehr pointierten Kritik des historischen Materialismus schließt sich eine des Liberalismus an.

Dennoch frage ich mich, ob man nicht liberale Theorien mit anarchistischen, die letztlich einen religiösen Freiheitsbegriff propagieren, aufeinander prallen lassen könnte, um aus den Trümmern und Versatzstücken eine neue Theorie zu generieren. Außerdem verspreche ich mir von der Lektüre Judith Shklars einiges, die im grunde einen gewissen negativen Politikbegriff in die Debatte wirft, der eine regulative Funktion gegenüber den doch romantisierenden Gemeinschaftsvorstellungen der Anarchisten haben könnte. Das sind natürlich noch wirre Gedanken, die durch aktuelle Lektüren ausgelöst wurden.

http://www.verbrecherverlag.de/author/detail/150

http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/der-liberalismus-der-furcht.html

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