Realismus

Ach was hat man uns in der Schule gequält mit Texten, die dem Realismus verpflichtet waren. Bürgerlicher Realismus als Vorläufer des Sozialistischen. Der Klassenstandpunkt habe ihnen gefehlt, den Bürgerlichen. Sonst aber seine sie ganz ordentliche Kerle gewesen. Thomas Mann beispielsweise, der dann sogar die DDR besuchte, um einen Preis abzuholen und sich feiern zu lassen. Dann die Protagonisten des soz. Realismus, allen voran Gorki, der mit „Die Mutter“ sozusagen das Vorbild geschaffen hatte. Aber: wie es  immer ist, man bleibt hinter seinem Vorbild zurück, wenn man versucht es einzuholen. Gorki las ich noch recht gern. Am Realismus verlor ich aber nach und nach das Interesse. Bürgerlich oder nicht. Das eine oder andere Buch versuchte ich noch, und einiges blieb mir im Gedächtnis. Fontane, Mann, auch bestimmte Szenen aus Arnold Zweigs „Der Streit um den Serganten Grischa“, vor allem die Schilderung einer Scheinhinrichtung im ersten Weltkrieg. Aber im Großen und Groben verzichtete ich nach meiner Schulzeit auf realistische Literatur, war sie mir doch immer irgendwie als Pflichtliteratur erschienen.

Gerade lese ich aber einen Roman von Chaim Noll, und die Frage des Realismus stellt sich ganz von Neuem. Man muss sich nicht unbedingt gegen den Realismus in der Literatur wenden, wenn man ihn als eine mögliche Form begreift, und nicht als die einzig mögliche. Und in „Die Synagoge“ vom Chaim Noll gibt es Passagen, die sehr für diesen Realismus sprechen.

 

 

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Eine Antwort zu Realismus

  1. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    Volker Sielaff „Beim Einzeiler setzt die Form dem Inhalt zu“ – das ist schön gesagt
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    Fidibus Klaufschneider hingegen beim 2,3,4 zeiler nicht, oder? (gut es entfallen reim und so einige, viele stilfiguren, aber dafür werden andere weningere umso markanter…): der einzeiler ist die goldfischmasche im fehlenden netz (z.B. ) // sooo jetzt schau ihc mir mal das in godlsche an!
    1 Std · Gefällt mir
    Jan Kuhlbrodt naja, der einzeiler macht seinen vers gesissermaßen an sich selbst sichtbar, weil ihm der bezug zu weiteren versen fehlt. er muss selbstreferentiell sein.
    1 Std · Gefällt mir
    Fidibus Klaufschneider was mein parodieversiuch, merkte ihc ahc der lektüe ja nciht ist – im gegentum, er ist sogar , wenn auhc merh hybrid, aber eher prosa, in dem sinne! … auch wenns ausgesagte vielleicht gar nciht do falsch ist, bloß dass das selbstreferentielle das eigentliche gold des – wie imeer – schlüpfrigen fisches ist.
    1 Std · Gefällt mir
    Jan Kuhlbrodt das heißt dein oben zitierter einzeiler ist eine art poetologischer versuch über den einzeiler. im band „geballtes schweigen“ zeitgenössische russische einzeiler zitiert ingold lew rubinstein: — ganz von anfang an wie üblich. — aber so als wäre vorher nichts gewesen und als käme auch nichts mehr danach.
    1 Std · Gefällt mir
    Jan Kuhlbrodt der prägnanteste ist von Garin: Oh, wenn man einfach schweigen könnte!
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    Jan Kuhlbrodt im grunde also, und da hast du recht, ist der einzeiler paradox. somit also mimesis schlechthin.
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    Anne Weber Ein guter Aphorismus ist nicht nur Inhalt (Lichtenberg, Jules Renard).
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    Jan Kuhlbrodt aber die ganze form stützt den inhalt (auch bei kafka z.b.)
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    Jan Kuhlbrodt der prosagestus ist unverkennbar. (was keine wertung ist, ich finde prosa nicht weniger wichtig oder gut, und auch sehe ich in der lyrik nicht die krone oder so.)
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    Anne Weber Aber ich frag mich, ob es nicht auch auf die Haltung des Lesers zum Text ankommt (und nicht nur auf die des Produzenten). Kann es denn da wirklich Eindeutigkeit geben, zwischen einem Einzeiler und einem, sagen wir, dichterischen Satz?
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    Jan Kuhlbrodt ich glaube ja. die grafische struktur, also das verteilen des einzelers auf zwei verse/zeilen würde den einzeiler zerstören. dem satz wäre es egal, auch wenn jedes wort auf einer zeile steht. es macht für ihn keinen unterschied, weil er ja als satz sich gleich bliebe. der vers wäre zerstört.
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    Anne Weber Seh ich ein. Aber wie machst du den Unterschied aus, wenn es sich zufällig um einen kurzen Satz handelt ohne Zeilensprung?
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    Jan Kuhlbrodt da wäre es wahrscheinlich das gleiche. (die kürzeste novelle, die ich kenne, geht auf eine zeile, sie ist von Monterosso und geht so: Als ich erwachte, war der Dinosaurier noch da. da fließt form und inhalt im satz vollständig zusammen. und es ist ein prosasatz)
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    Anne Weber Dann wird das Gedicht also erst ein Gedicht, wenn es über eine Zeile hinausgeht?
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    Jan Kuhlbrodt nee. wenn die zeile ein vers ist. und dieser vers eine einheit (auch grafisch) darstellt. sichtbar. vielleicht erkannbar an einem text von vakeri scherstjanoi, der in dem buch ist, und mit eben jener grafischen struktur spielt. in dem er den vers von der zeile befreit und übers blatt wandern lässt.
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    Jan Kuhlbrodt kann man leider nicht zitieren, man muss es zeigen. mit einem aphorismus wäre das nicht möglich, oder es würde am gehalt nix ändern. der aphorismus existiert gewissermaßen unabhängig von blatt. ist text ohne textur.
    17 Min · Gefällt mir
    Anne Weber Hmm
    14 Min · Gefällt mir nicht mehr · 1
    Jan Kuhlbrodt Ich suche die Gewißheit der Dinge und wenn ich sie finde, beiße ich mir auf die Lippen. (Antonio Porchia: Gesammelte Stimmen)
    10 Min · Gefällt mir

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