These zum Reim

Paradoxien des Reims

1.

Reim gelingt nur, wor er Ungezwungenheit vorgibt. Wenn der Reim aber ungezwungen wirkt, formuliert er das Versprechen der Einheit von Ordnung und Freiheit. Und hier scheitert der Übersetzer, denn dieses Versprechen scheint unübersetzbar. Wird es, mit dem Reim, der sich nicht gleicht, nicht der gleiche sein kann, in eine andere Sprache gebracht, besser, versucht man es in eine andere Sprache zu bringen, tritt das zwanghafte Moment des Gleichklangs von neuem hervor, zeigt sich als Misslingen eine erneute Ungzwungenheit vorzutäuschen. Freiheit verschwindet im Referat.

2.

Interessant ist Fausts Schlussmonolog im zweiten Teil der Tragödie zu betrachten (Ein Sumpf zieht …). Die Illusionvon Freiheit spiegelt sich im gereimten Text und der Situation Fausts. Der blinde alte Mann hört die Geräusche, die vom Ausheben seines Grabes herrühren und meint, eine freie Bevölkerung lege einen Sumpf trocken.

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