Zum Verständnis

An meiner Position, dass es keine unverständlichen Gedichte gibt, halte ich fest. Und warum soll man nicht zum Beispiel eine Fremdsprache erlernen, um ein Gedicht zu verstehen. Verständnis ist vor allem eine Frage der Zeit, und das Zeit für den Einzelnen begrenzt, Frist ist, scheint mir eine der Grundlagen dafür, dass so etwas wie das Osterfest existiert. Ein Arrangement.

Jedenfalls stieß ich bei der karfreitäglichen Lektüre im Buch Unter sich, eine Art Briefwechsel oder Gedankenaustausch zwischen den schweizer Autoren Felix Philipp Ingold und Bruno Steiger, das 1996 als Band 30 der Reihe Essay im Liteatuverlag Droschl erschienen ist, auf folgende Passage, die sich in ein von Ingold geschriebenes Kapitel fügt, in dem es mehr oder minder um Verstehen geht:

Nur gegenüber dem hermetischen Text bin ich, als Leser oder als Hörer, wirklich frei; weil er mich zum Selbstverständnis zwingt, selbst ein Verständnis für ihn zu entwickeln, ihn als etwas Fremdem, Befremdlichem einen Sinn zu geben, und eben dadurch dem Verständnis meiner selbst von Mal zu Mal ein wenig näher zu kommen. … (S. 26)

 

 

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