Warum Postkultur?

eine Interpretationshilfe von Th.W. Adorno aus der Negativen Dialektik. Ich werde auch noch herausfinden, warum ich im Augenblick dieses Buch kaum im Regal stehen lassen kann:

Unterm Denkverbot sanktioniert Denken, was bloß ist. Das genuin kritische Bedürfnis des Gedankens, aus der Phantasmagorie von Natur zu erwachen, ist aufgefangen, kanalisiert, dem falschen Bewußtsein zugeführt. Abgewöhnt wird dem Denken von der Kultur, die es umstellt, die Frage was alldas sei und wozu — lax die nach dem Sinn, die immer wichtiger wird, je weniger solcher Sinn dem Menschen mehr selbstverständlich ist.

(„Sinn vom Sein“ in Negative Dialektik, Frankfurt am Main 1966, Seite 93)

Das Buch ist so alt wie ich, und es wird bald 50. Wann wird ein Buch ein altes Buch? Der Term falsches Bewußtsein scheint mir zumindest überdenkenswert wenn nicht falsch heute, aber die Konfrontation von Denken und Kultur ist mir einleuchtend, leuchtet mir immer mehr ein. Vertrautheit mit dem Fremden, ohne dass er die Fremdheit einbüßt, denken im Fluss, Gedanke der nicht zur Kultur gerinnt und dennoch Gedächtnis bewahrt, wäre vielleicht ein Ausweg.

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Eine Antwort zu Warum Postkultur?

  1. Heino Bosselmann schreibt:

    Wäre es vor dem Hintergrund dieses interessanten Zitats nicht so zu verstehen, dass Denkverbote – freilich entgegen ihrer eigentliche Intention – eben genau das anzeigen, worüber gerade und dringend nachgedacht werden sollte? Offenbart sich da eine nahezu psychologische Ambivalenz: Das Denkverbot versucht zu verhindern, was akut notwendig zu denken wäre? – Dort, wo es, bspw. von Staats wegen, solche Denkverbote gab, verhielt es sich m. E. so. Und innerhalb der Neurosentheorie beschreibt Freud ja solche Fälle und Phänomene, freilich ohne politischen Bezug. – Mag aber sein, ich verenge das. Aber bei der Frage nach dem Sinn gibt es gegenwärtig wenig Antworten. Und selbst die Fragen werden eher mit Blick auf Verbrauchsoptimierung und Verbraucherschutz gestellt. Der Citoyen, so es ihn je gab, ist ja durch den Bourgeois bzw. den Verbraucher abgelöst. Ihm gilt Sinngebung wohl gar als gefährlich und „ideologisch“.

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