Jeremia

Ein Vers in einem kurzen Gedicht Bulatovskys lässt mich schwitzen. Ich weiß nicht, ob ich es überinterpretiere, aber es schließt mir doch eine für mich unebene Welt auf. Und wie der Zufall es will, treffe ich auf einen ähnlichen Vers in einem Gedicht Arsenij Tarkowskijs.

zuerst der Text Bulatovskys in meiner wahrscheinlich unbeholfenen Übersetzung:

Schau hin, bis es langweilig ohne Rest
bis alles eins ist und immer das selbe,
schau auf den verschneiten Palimpzest
auf dunkler Haut Flecken sind, gelbe.
Eins ist wie alles umstellt. Palisade
die im Licht strahlt, kein Unterschied da
wenn du den Standpunkt wechselst gerade
von Sophokles hin zu Jeremiah.

bei Tarkowski in der Übersetzung von Martina Jakobson:

Ich bin Nestor, Chronist des Mesozoikums
und künftiger Zeiten, ich bin: Jeremia.
In der Hand Zeitmaß und Kalender
taste ich mich aufwärts in die Zukunft Russlands,
König der Bettler, Verkünder der Geschichte.

bei Jakob Taubes:

Denn es ist das Wesen der Zeit, Vorwärts zu gehen unumkehrbar auf das Neue hinzustreben, nach dem Wozu zu fragen. Mit der Frage nach dem Wozu ist der Kreis der Natur grundsätzlich zerbrochen und das Gefüge des ewig Wiederkehrenden gesprengt. (Abendländische Eschatologie)

Das Gedicht Bulatovskis war gewissermaßen der Anfang, und ein Verweis Ingolds auf Schestow. Jetzt türmen sich Bücher. Zeit ist Frist (Taubes/Müller).

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