Essays

Wahrscheinlich habe ich es dem Leipziger Verlag Gustav Kiepenheuer zu verdanken, dass allein der Klang des Wortes Essay in mir eine frohe Erwartungshaltung weckt. Es sind vor allem zwei Bücher, die mich seinerzeit (in den Achtzigerjahren) bei der Lektüre in eine Hochstimmung versetzten. Neben Heinrich Manns Essays zur französischen Literatur (Geist und Tat)  vor allem Ossip Mandelstams Gespräch über Dante nahmen mich  für sich ein. Diese Art über Sprache und Literatur nachzudenken und zu schreiben war für mich einzigartig und stand in einem wohltuenden Widerspruch zur Behandlung literarischer Werke durch meine Lehrerinnen und Lehrer an der Erweiterten Oberschule.

„Die Musik ist hier kein von außen hereingebetener Gast, sondern Teilnehmerin am Streit; und noch genauer, sie fördert den Meinungsstoffwechsel, koordiniert ihn, begünstigt die Verdauung der Syllogismen, zerdehnt die Voraussetzungen und komprimiert der Schlussfolgerungen. Ihre Rolle ist eine aufsagende und auflösende, ihre Rolle ist eine rein chemische.“ (Mandelstam in Gespräch über Dante. Dt. von Norbert Randow)

Und natürlich suchte ich schon während der Lektüre nach einer Ausgabe der Göttlichen Komödie, und wie der Zufall so will, fand ich sie im Bücherschrank meiner Eltern. Meine Mutter hatte sie als Honorierung gewerkschaftlicher Arbeit überreicht bekommen, jedenfalls fand sich eine solche Widmung im Vorsatz; allerdings ohne Namen, als hätte ein ratloser Funktionär einfach einen Stapel Bücher gegriffen, die ihm seriös und bedeutend vorkamen.

Allerdings scheiterte ich bei den ersten Lektüreversuchen an der Komplexität uns Sprachform, und blieb zunächst bei Mandelstam.

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2 Antworten zu Essays

  1. Clarknova schreibt:

    am zauberberg habe ich fast 7 jahre gelesen. warum auch nicht? immerhin ist castorp eben so lang dort oben gewesen. in der comedia habe ich es vorerst bis zum 15. gesang des inferno geschafft. dante hat daran, meines wissen nach, 14 jahre geschrieben. warum sollte unsere lektüre schneller vonstatten gehen, als die niederschrift? ein essay über das lesen und lesetempo epochaler werke wäre vielleicht mal eine überlegung wert.

    • Jan Kuhlbrodt schreibt:

      Inzwischen hab ich es geschafft, schön länger, ich habe einfach jeden tag mindestens zehn minuten gelesen, manchmal natürlich auch mehr, wenn der text mich fortriss. aber natürlich eine übersetzung (leider)

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