HM

Gestern war der 85. Geburtstag von Heiner Müller.

Im Februar 1989 wurde ich zu einer Reserveoffiziersausbildung nach Seeligenstedt einberufen. Aufgrund eines gewissen Alkoholpegels verpasste ich jedoch die Abfahrt des Sammeltransports in Leipzig, schlug mich irgendwie zur Kaserne durch und kam mit 12 Stunden Verspätung da an.

Darufhin wurde ich nicht mehr für würdig befunden, der DDR als Reserveoffizier zu dienen und wurde eingesetzt, Trainingsgewichte (Panzerkettenglieder) mit Rostschutzfarbe zu streichen, während meine Studienkollegen durch den verseuchten Sand in der Nähe einer Uranmine robbten.

Zwei Regiestdenten hatte das gleiche Schicksal ereilt. Sie hatten das aktuelle Heft „Theater der Zeit“ dabei, und in diesem Heft fand sich ein Vorabdruck des Teiles „Der Findling“ aus Müllers Stück „Wolokolamsker Chaussee“. Die Regiestudenten luden die Unwürdigen zu einer halb legalen szenischen Lesung im Fernsehraum der Unterkunft ein.

Das, was ich da hörte, war so etwas wie eine Initiation für mich. Der Gedanke vom „Feindbild im Spiegel“ setzte mein künstlerisches Denken in Gang.

Danke Heiner Müller und Danke liebe Regiestudenten!

der Text, den Heiner Müller hier vorträgt, heißt Kentauren und ist auch ein Teil der „Wollokolamsker Chaussee“

http://www.youtube.com/watch?v=ITNSdLxa2hk

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2 Antworten zu HM

  1. muetzenfalterin schreibt:

    Im Tagesspiegel ist heute ein Nachruf auf Heiner Müllers Bruder Wolfgang. Auch lesenswert. Finde ich jedenfalls.

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