Lakonie (Häfner)

Was ich überhaupt nicht kann, ist Lakonie. Vielleicht fehlt mir dazu die Reife oder was auch immer. Meine Texte ufern aus, sind auf eine gewisse Art undiszipliniert. Aber Grenzsetzung ist Moment (vielleicht sogar das entscheidende) der Konstitution. Ich werde in den folgenden Wochen, immer wieder die Gedichte Eberhard Häfners zur Hand nehmen, um Lakonie zu lernen.

Erinnerungsmodell

Ho Chi Minh

Im Gepäck vom Morsealphabet die Sieben
Türen öffnen, mit Knöcheln klopfen, zweimal lang
dreimal kurz, abgestiegen
in Saigon.

wir gingen wortlos, immer der Nase nach
daran sofort erkannt, zweimal die Straße entlang
dreimal kurz, am Lethefluss
Mekong

als Grenzfluss zwischen den Kulturen
Ackerbau und Weide, wie bei uns
akzeptieren, wenn es klopft
das Herz

Die Lakonie leistet in diesem kurzen Gedicht außerordentliches, weil sie Kulturräume zugleich eröffnet und verschnürt. Die Nähe zwischen Vietnam und Ostdeutschland (historisch) bricht sich in gegenwärtiger kultureller Entfernung. Romantische Topoi (Herz) werden gewässert.

in: Eberhard Häfner. Irrtum zeigt im Alfabet Methode

Berlin 2013

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