Michael Schade . Zweite Annäherung

Gestern Abend vor der Edit-Essaypreisverleihung drückte mir Jan Wenzel ein Buch in die Hand. Abgesehen davon dass ich die Bücher des Verlages Spector Books ohnehin sehr mag, erfasste ich in der Situaton nicht, um welch großartiges Dokument es sich dabei handelte. Der Name des Autors sagte mir im ersten Moment nichts.

Heute im Zug nach Chemnitz, ich war auf dem Weg meine Mutter zu besuchen, befreite ich das Buch von seiner Folie, und schon beim ersten Hineinblättern realisierte ich, was ich da in der Hand hielt. Neben aufgefundenen Fotografien enthält der Band auch Fotografien des Autors. Und diese sind in ihrer Technik und Handschrift einzigartig. Sofort fühlte ich mich in die Zeit kurz vor der Jahrtausendwende katalputiert, als ich am Leipziger Literaturinstitut studierte. Im Haus gegenüber des Institutes befindet sich die Hochschule für Graphik und Buchkunst, in deren Café wir unsere Pausen verbrachten. Dort konnten wir einzelne Zigaretten kaufen und am späten Vormittag auch schon mal ein Bier, und dort mischten wir uns unter die Kunststudenten und Meisterschüler. Einer von ihnen war der Fotograf Michael Schade (ein kleinerer Mann mit Schiebermütze und Zigarre). Jörg Schiecke, der damals Redakteur der Edit war, in der Schade einen Kunstteil gestaltet hatte, machte uns miteinader bekannt und Martina Hefter, meine damalige Freundin und heutige Frau rezensierte für den Kreuzer ein Buch Schades, das gerade erschienen war. Schade fotografierte mit einer kleinen Pocketkamera, was ich irgendwie verrückt fand, da die meisten anderen Fotografen die ich kannte, mit großem Gepäck und verschiedenen Objektiven, Filtern und dergleichen unterwegs waren. Schade machte dagegen eine irre LO-FI Fotografie. Die Objekte angerissen, Schwarzweiß, aber auf eine gewisse Weise eindringlich. Momentaufnahmen, aber letztlich ungemein präzise. Ein Foto, das damals als Edit-Cover diente, zeigt eine merkwürdige Pyramide aus Schwänen, ein romantisches Sujet zitierend, aber zugleich in einen postindustriellen Gestus zurücknehmend. Mir fehlt im Grunde das Vokabular, um die Bilder in Text zu übersetzen, zumindest für den Moment. Ich werde es in nächster Zeit noch einmal verrsuchen.

Das Buch enthält autobiografische Texte Schades kombiniert mit gefundenen und eigenen Fotos und er stellt einen Teil des Nachlasses dar. Schade starb 2004 im Alter von 39 Jahren.

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