Arthur C. Danto

„Der größte Teil der Welt besteht aus Dingen, die logischerweise nicht gespielt werden können.“

(Die Verklärung des Gewöhnlichen. Eine Philosophie der Kunst. Frankfurt am Main 1984)

Es ist eine merkwürdige Angelegenheit: das Wissen um die Existenz des Philosophen Arthur C. Danto hatte für mich, seit ich in den Neunzigern auf ihn gestoßen bin, einen beruhigenden Effekt. Es war merkwürdig, denn ich vertrat bis dahin eher  Positionen, die mir als links, emanzipatorisch und revolutionär galten. (Sie waren im Grunde nichts von alldem, sondern dogmatisch, aber wie es bei Dogmatikern so ist, sie interpretieren ihr festhalten als moralische Stärke und Überlegenheit.)

Vielleicht kann man sagen, dass die Dantolektüre mich da herausgeholt hat, denn er beackerte ähnliche Interessensgebiete (Kunst, Literatur, Geschichte) aber in einer Art, die sich von meinen Schablonen kolossal unterschied.

Zum Beispiel sein Sartrebuch (auf Deutsch ist es bei Steidl erschienen) war mir immer ein Beweis dafür, dass das Unverständnis füreienander, das zwischen kontinentaler und angelsächsischer Philosophietradition herrschte (und herrscht) auf einem Irrtum basierte. Zumindest bestand der Irrtum (auch meinerseits) darin, die sich ausschließenden Modelle in irgendeiner Form vereinheitlichen zu müssen.

Die Freiheit, die sich Danto nahm, war nun, diesem Zwang zu entgehen, und einem Denker, der einem im Grunde fremd blieb, dennoch zu huldigen und Momente seines Denkens zu übernehmen, ohne sich ihm in faustscher Manier vollkommen zu verschreiben oder auszuliefern.

Oder seine Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Fortlebens der Kunst nach ihrem durch Hegel konstatierten Ende! Es ist großartig, wie Danto die Phänomene Interpretiert, deren eines eben auch die Theorie ist.

Danto ist am Wochenende im alter von 89 Jahren gestorben. Sein Tod ist wird für mich nicht allzuviel ändern, da ich Danto ohnehin nur in seinen Texten begegnet bin und das auch weiterhin tun werde. Denoch wird er eine verstörende Leerstelle hinterlassen.

Thank you very much, Arthur C. Danto, for all!

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4 Antworten zu Arthur C. Danto

  1. mickzwo schreibt:

    Arthur C. Danto, ein Name, den ich mir merken werde. Danke für den Artikel.

  2. umtriebe schreibt:

    Folgenden Satz finde ich sehr wichtig, und diese Aussage hat auch für anderes Gültigkeit: „Die Freiheit, die sich Danto nahm, war nun, diesem Zwang zu entgehen, und einem Denker, der einem im Grunde fremd blieb, dennoch zu huldigen und Momente seines Denkens zu übernehmen, ohne sich ihm in faustscher Manier vollkommen zu verschreiben oder auszuliefern.“

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