Vielleicht

ein Wort darüber, warum ich über Bücher schreibe.

Manche nennen das, was daraus hervorgeht. Rezension, aber ich glaube, das ist eine andere Gattung. Ich gebe darüber Bericht, könnte man sagen, was ich im Text erkenne. Und das kann (zunächst) keine Wertung sein. Textliche Qualität ist eine Bedingung dafür, dass ich überhaupt etwas im Text erkennen kann, was über die Interpretation der Schriftzeichen hinausgeht. Lesen ist mir ein Bedürfnis, und wenn ich schon lese, warum soll ich dann nicht über die Bücher schreiben, die ich lese, und mir damit meine Sucht finanzieren?

Aber: Bücher, die ich nicht mag, breche ich in der Regel ab. Von mir sind also keine Verrisse zu erwarten. Außerdem kann ich mir nicht sicher sein, ob der Grund meines Missvergnügens nicht ein Missverständnis ist, oder auch einfach Unverständnis. Wenn ich ein Buch nicht verstehe, kann ich nicht darüber, sondern nur über mein Unverständnis schreiben. Aus naheliegenden Gründen mag ich über mein Unverständnis aber lieber schweigen.

Etwas anderes ist es, wenn ich das Moment des Misslingens in und an einem Text einigermaßen klar zu erkennen meine. Dann werde ich etwas darüber schreiben, würde das aber nicht als Veriss bezeichnen, da ich selbst dabei gelernt habe, der Text also gerade als misslungener Text wichtig für mich ist oder war.

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11 Antworten zu Vielleicht

  1. muetzenfalterin schreibt:

    interessant dein eintrag gerade jetzt zu diesem zeitpunkt. am wochenende las ich in der sz ein plädoyer für mehr kampfgeist bezüglich der rezensionen. und dachte dass das stimmt. das es irgendwie nicht angehen kann, dass ein buch, das lediglich handwerklich gut gemacht ist, genau so euphorisch besprochen wird, wie eines von olga martynova zum beispiel. ich meine, wird nicht alles relativ, wenn wir nur über das positive reden? andererseits gefällt mir die idee darüber zu berichten, warum ein misslungener text wichtig gewesen sein kann, aber mich reizt auch zunehmend der mut, über mein eigenes unverständnis zu schreiben.

  2. Gerade habe ich nachgedacht, was es denn bei mir ist, denn ich schreibe ja auch über Bücher. Es geht teilweise in dieselbe Richtung („Ich gebe darüber Bericht, könnte man sagen, was ich im Text erkenne“), wobei es bei mir so etwas gibt, dass ich z. B. für ein Buch eine Lanze brechen möchte; das ist häufig vorherrschend: Wo ich das Gefühl habe, das Buch wurde nicht genügend wahrgenommen. Wo ich das Gefühl habe, das Buch wurde vom Empfänger, von der „Zielgruppe“ gar nicht einberechnet, in Betracht gezogen. Es ist untergegangen, ist Makulatur geworden. Wobei ich natürlich vor solchen allzumissionarischen Antrieben selbst zurückschrecke, also dieses „Leute, ich erklär euch jetzt mal, warum dieses Buch so sexy ist“. Ein Buch bekannt(er) zu machen, mit jenem gewissen Stolz auf etwas hinweisen, was es mit mir gemacht hat, sehe ich meist als Herausforderung. Es mit meinen Miteln nach vorne zu bringen. Oder ja eigentlich nicht das Buch, denn ich sehe mich am wenigsten als Marketingoperateur, der im Verein mit einem Verleger nach Margen lauert, sondern der das Buch inhaltlich publik machen will: gewisse Bilder, Aussagen, auch die Atmosphäre des Buches, seine Aussage – das, was ich unterm Strich davon mitnehme und profitiere. Die Gedankenanstöße, die mir das Buch gegeben hat – was ich in summa als Erfahrung nicht missen möchte.

    Ein Buch, von dem ich gar nichts mitnehme, gibt es nicht. Denn auch wenn es mir absolut zuwider wäre, würde ich ja sozusagen im Kopf etwas dagegen entwickeln, eine „defensive“ Gegenstrategie; ich kenne sehr wohl jenes Unbehagen, das mich daran hindert, ein Buch weiterzulesen. Wobei ein gewisses Unbehagen auch gut sein kann, sofern es vom Autor bewusst erzeugt wird. Als ich anfangs für die Berliner Literaturkritik schrieb, konnte ich mir Bücher nur bedingt aussuchen, ich bekam oft die Katze im Sack, und musste da durch. Was macht dieses Sträuben mit mir? Auch das mitunter eine interessante Erfahrung. Sich an Büchern zu reiben finde ich ganz wichtig. Ein Buch muss etwas mit mir machen, wenn es mir einfach so glatt reinläuft ohne dass sich was verhakt, ohne dass ich einen inneren Widerstand spüre, trägt es Eulen nach Athen. Es muss einen Konflikt geben, es muss auch ein Konflikt zu mir bestehen. Ein Buch, das sich mir zu süffig anempfiehlt, macht mich eher skeptisch. Ich erwarte von daher schon, dass mir zwischendurch mal die Luft wegbleibt, oder, wie ich gerne sage, vor Schreck und/oder Hingerissensein der Kaffee kalt wird. Denn, man weiß es ja inzwischen: manchmal gefällt einem etwas auf Anhieb nicht, man findet es geradezu entsetzlich und ätzend und unschön (weil z.B. sperrig und schwer zugänglich), aber vielleicht will das Buch auch entsetzlich und ätzend sein. Dem unbenommen gibt es freilich Bücher, die keine Qualität haben, wo das eben nicht gelingt, die unfreiwillig in Schieflage geraten. Es gibt aber eben etliche Fälle, in denen ich „dann doch noch“ etwas entdeckte und einen Gewinn hatte. Manchmal gebe ich auch keine Ruhe und will es einfach wissen. Und entdecke dann doch noch was. Dieses innere Sträuben gegen ein Buch ist auch ganz lehrreich, da auch ich gewohnheitsmäßig ein großer Buchabbrecher bin. Eine Art neues Erlebnis, ein Buch mal auszulesen, das mir nicht gefällt. Insofern habe ich anfangs auch Verrisse geschrieben.
    Allerdings wurde ich auch vielfach enttäuscht, wo ich etwas Kritisches über ein Buch entwickelt habe, was jetzt eher das Rezipieren von Kritiken angeht. Manchmal habe ich mich monatelang damit herumgeschlagen, immer abwägend, ob ich mir das trauen kann, ehrlich zu sein; und wo ich mich dann letztlich dafür entschieden habe, ehrlich zu sein. Wo mir es auch sehr schwer fiel, Kritik zu üben, wo ich dann, weil man als Autor freilich nur ungern Kritik über das eigene Baby lesen mag, in Privatmails seitens der Autoren oder deren Freunde und Fürsprecher, angegangen wird. Wo ich mir denke, dass mir meine „Wahrheit“ über ein Buch ja unbenommen bleibt. Da lasse ich mir nicht reinreden. Etwas Schönes zu schreiben ist ja viel einfacher. Damit rennt man offene Türen ein und wird gelobt, weil man so wertschätzend usw. ist. Während der Überbringer der schlechten Nachricht schon im Altertum geköpft wurde. Das ist heute nicht viel anders. Nur wenige Autoren können über den Schatten der eigenen Eitelkeit springen und es goutieren, dass ihr Rezensent mutig weil kritisch war. Was mir das kritische Rezensieren doch zu ¾ vergällt hat. Man will da offenbar alles, aber bloß keine ehrliche Meinung hören. Auch gibt es ja Portale, wo die Rezensenten und Rezensierten dieselben sind, wo also das Kritisieren aufgrund einer generellen Beißhemmung immer bussibussihafter wird. Was mich auch ziemlich ärgert, denn da entsteht der Eindruck, als sei alles toll und in Butter, wo dann im Kontrast schon ein Wort das ein kleines bisschen kritisch ist, wie ein Affront wirkt: Es fällt innerhalb dieser kreuzbraven Hymnensingerei viel mehr ins Gewicht. Da, wo es keine ehrliche Kritik mehr gibt – auch wenn sie hart ausfällt –, gibt es auch keine wirkliche Bestärkung durch wirklich gute Kritik, weil ja von vornherein eh alles toll ist. Würde ich nur noch sagen: ich singe ab sofort nur noch Hymnen, mach ich mir die Sache für meinen Geschmack ein wenig leicht. Das als Plädoyer für eine etwas andere Rezensionskultur als wir sie momentan haben. 😉

  3. … und stimme natürlich auch muetzenfalterin unumwunden zu! Über meinem langen Post habe ich ganz vergessen, dass ich auch über Friedrich Schlegels Aufsatz „Über die Unverständlichkeit“ noch schreiben wollte …

  4. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    vielleicht ist es aber so, dass ich mich gar nicht so sehr als (Literatur-) Kritiker sehe. Und vielleicht gar keiner sein will. Vielmehr versuche ich, mich zurecht zu finden in etwas, was wir Welt nennen, und zu dem auch Literatur gehört.
    Da mag es Bücher geben, die mir helfen, und solche, die mir Spass bereiten, mir also auf eine andere Art helfen.
    Was die Kritik betrifft, so sind uns zunehmend die Kategorien abhanden gekommen (fürchte ich) und man muss sie jedesmal am Text neu entwickeln und formieren. Das ist mühsam und wenn ich die Kritiken in den klassischen Organen lese (Ausnahmen bestätigen usw), kommt mir mir Verlaub, die Galle hoch. Aber vielleicht ist die Kritik nie besser als die Literatur, die sie kritisiert, und die Prosa ist derzeit in D. nicht allzu diskutbel. (auch hier Ausnahmen: Ingold Matynova …) Da wird kaum entwickelt und im guten Sinn deshalb auch nicht kritisiert. Denn Kritik heißt Verstehen und wo nix zu verstehen ist …. Das ist (oder sollte sein) ein dialektisches Verhältnis.
    Ein Verriss, wie ich ihm allzuoft begegne, hat insofern nix mit Kritik zu tun, als dass er meist die Formulierungswut des Kritikers zum Gegenstand des Textes macht. Insofern ist er meist eine Egoshow.

  5. „vielleicht ist es aber so, dass ich mich gar nicht so sehr als (Literatur-) Kritiker sehe. Und vielleicht gar keiner sein will.“

    Ein Impuls, wie ich ihn nachvollziehen kann, weil „Kritiker“ so einen speziellen Fokus impliziert. Du bist und ich bin freilich mehr als das.

    Ich habe mich oben ein wenig zu sehr kapriziert auf das Thema, dass mir zu wenige wirklich ehrliche Rezensionen verfasst werden. Wirklich ehrlich hieße, dass es eine größere Bandbreite geben müsste, und nicht nur ein marginales Ausbalancieren zwischen „ziemlich gut“, „recht gut“, „sehr gut“ und „total gut“. Dadurch wird alles im Endeffekt trist und medioker. Wenn ich ehrlich bin, finde ich sehr viele Rezensionen, die ich lese, zu oberflächlich, zu schnell verfasst. In einem Blog wäre das okay, aber als Rezension? Ich spüre richtiggehend, wie der Autor kurz angebunden da etwas abarbeitet, nebenbei seinen Milchkaffee schlürft und „es geschafft haben will“, um etwas anderes machen zu können, z. B. die nächste Rezension verfassen. Dahingehend sind mir einige Rezensionen zu unfasslich, zu wenig festgelegt, sagen nichts aus, der Rezensent gräbt sich ein hinter seinem Nebelwerfer.

    Es gibt schon auch das Phänomen, dass ich an Texte – als Teil von „Welt“ – nicht herankomme, oder sie mich nicht interessieren. Ich weiß nicht, ob das Unverständnis ist. Nach F. Schlegel ist die Unverständlichkeit ein Segen. Es wäre nicht auszuhalten, wenn man alles gleich und immer verstehen würde, es wäre, weitergedacht, der größte Alptraum. Es gibt Texte, bei denen nach dem soundsovielten Anlauf, den ich nehme, in den Text hineinzukommen, dann plötzlich doch etwas passiert. Ich habe schon manchmal „große Werke der Weltliteratur“ (!) abgebrochen, weil ich keinen Zugang fand. Das ist dann aber eben mein Problem. Ich glaube sogar, dass manche davon gut sind. Ich glaube sogar, dass ich sie gut fände, wenn ich nur einen Zugang gefunden hätte. Es gibt auch genug Bücher, die mit mir nichts machen. Trotzdem haben sie mich ja beschäftigt. Von daher ist es aber für mich nicht unbedingt sinnvoll, hier meine eigene Befindlichkeit als Kategorie herzunehmen. Dann sage ich lieber gar nichts zu diesen Büchern. Es kann auch nicht jeder zu allem etwas sagen.

    „Was die Kritik betrifft, so sind uns zunehmend die Kategorien abhanden gekommen (fürchte ich) und man muss sie jedesmal am Text neu entwickeln und formieren. Das ist mühsam und wenn ich die Kritiken in den klassischen Organen lese (Ausnahmen bestätigen usw), kommt mir mir Verlaub, die Galle hoch.“
    Dass die Kritik nicht wirklich immer den Nagel auf den Kopf trifft, sondern eher die persönlichen Befindlichkeiten des jeweiligen Autors beschreibt, ist mir schon länger klar. Es gibt auch so eine Verschiebung hin zum immer Subjektiveren, was ja teils auch zu begrüßen ist. Aber eben nur teils. Die Kehrseite der Medaille ist, dass jede Rezension auf ihre Art „schwimmt“, weil es gar nichts mehr gibt, was fest ist. Selbst das begrüße ich teilweise. Denn ich mag überhaupt keine mechanistisch abgeklapperten Kriterien, so eine starre Nomenklatur, nach der jeder Text durchgeklappert wird. Diese Schema F-Kritiken. Durch so einen Klapparatismus kommt aber auch eine gewissermaßen naive Befindlichkeits-Besprechungsmasche zum Zug, die den Fokus weg vom Text hin zum Rezensenten zieht. Der kostet seine eigenen Leseerlebnisse aus, nimmt ein ausgiebig erfrischendes Bad in der eigenen Befindung. Die Ergebnisse sind durchwachsen. Das ist für mich die andere Art von Egoshow. Gut ist daran, dass eben dieses statisch-nomenklaturhafte Abarbeiten der eigenen fixen Ideen und Kriterien aufgebrochen wird ( an denen man aber wohl nicht vorbeikommt …). Schlecht ist daran, dass es einerseits umso bauchnabelgepolter eiegntlich dann darum darum geht, wo der Rezensent in seiner Entwicklung steht; bei dieser Art von besprechung rolle ich immer mit den Augen. Oft aber auch zu vorsichtig, da man sich im Zweifelsfall aus Vorsicht eben doch für das Modell „Hymne“ entscheidet. (Denn man kennt ja den Autor „dann doch“ irgendwoher. Und wenn man ihn nicht kennt, wird man ihn demnächst mit Sicherheit kennenlernen. Die Szene ist so arg klein. )

    „Aber vielleicht ist die Kritik nie besser als die Literatur, die sie kritisiert“

    Naja, ich glaube schon, dass es gute Kritiken gibt von Büchern, die (in der Sicht der meisten) nicht gelungen sind. Man kann ja auch unscheinbare, wenig gelungene Vorgänge hervorragend genau beschreiben.

    „Denn Kritik heißt Verstehen und wo nix zu verstehen ist …. Das ist (oder sollte sein) ein dialektisches Verhältnis.“ Das mit dem Verständnis ist so eine Sache. Ich glaube noch nicht mal daran, dass man Texte im klassischen Sinne verstehen kann bzw. muss. Es gibt ja so viele Ebenen: Klang, Wortwahl, Bildkraft… (um auch mal so einen Klapparatismus anzubieten ;)) usw., auch bei Prosa, wo ich mich auf den Text einlassen kann oder nicht. Und es ist ja gerade das Gelungene an herausragenden Texten, dass etwas im Dunkel bleibt, dass er nicht unterm Strich völlig aufgeht, sondern dass ein Rest stehenbleibt, an dem ich mich reiben kann, wo ich „nicht verstehe“. Im eigentlichen sind das ja genau die spannenden Sachen, die ich „Nicht verstehe“, denn da tut sich noch was. Der Rest ist ja gewissermaßen im Bekannten einzementiert. Denn nur dann arbeitet der Text in mir weiter und beschäftigt mich. Wo das am Ende alles aufgeht, am besten mit Happy End, je nun, ist die Sache geschenkt. Also klar, es muss dialektisch sein im besten Sinne.

    „Ein Verriss, wie ich ihm allzuoft begegne, hat insofern nix mit Kritik zu tun, als dass er meist die Formulierungswut des Kritikers zum Gegenstand des Textes macht. Insofern ist er meist eine Egoshow.“

    Ich kenne einige Kritiker, für die einen Text niederzumachen (also dass man sich dadurch selbst erhöht) Futter für das eigene Ego ist. An einem Buch sein Mütchen zu kühlen, ist probates Mittel dafür: Da hat man mal ordentlich mit der Arroganzfaust auf den Tisch gehauen und ist selber endlich auch mal wer. Aber ich denke, es gibt auch Rezensenten, die die eigene Gefallsucht und Häme nicht nur geringfügig ausschalten können und trotzdem Tacheles reden. Freilich bleibt da zumeist immer so ein Rest von Herabstufung, der bedenklich ist. Es gibt allerdings solche Bücher, die, wenn man sie besprechen will, weil man den Auftrag hat, einfach verreißen muss, allein schon, um sich selber treu zu bleiben. Man hat das Buch gründlich angeschaut und durchgearbeitet und es bot einfach nichts. Solche Erlebnisse gibt es. Die Schwelle zum Missbrauch dabei, über das Ziel hinauszuschießen, ist fließend.

    Das andere, was wir jetzt haben, finde ich fast bedenklicher: die Egoshow der Autoren, die keine Kritik mehr ertragen können, weil sie auch schon gar nicht kritisiert werden, weil keiner da ist, der nicht nur hinter vorgehaltner Hand sagt: „So dolle fand ich’s nicht.“ Es floriert gerade überall die Bussibussi-Mentalität, „Wir lieben uns alle“, wo derjenige, der auch nur ein bisschen etwas Kritisches fallen lässt, sofort zur persona non grata degradiert wird. Wobei die Bussibussimentalität andererseits auch keine Hysterie aufkommen lässt. Wenn irgendwas hochwogt, hält das nur zwei Tage, dann glätten sich die Wogen. Und man hat wieder den harmlosen netten Blumenteich der freudestrahlenden Literaturmenschen. Das finde ich eigentlich die unangenehmere Variante der Egoshow. Zumal es auch dazu führt, dass eine relativ belanglose Literatur zu etwas Großem avanciert, die es inhaltlich nie verdient hätte.

  6. mickzwo schreibt:

    Ich fühle mich auch nicht zur Rezension berufen. Das können andere besser und die sollen das dann auch tun. Ich könnte versuchen eine Lanze für ein Buch brechen. Doch für welches? Es gibt so viele davon. Also nehme ich, was mir begegnet und wähle davon aus. Nach Gefühl, denn ich bin Dilletant. Ich will eine Lanze brechen für das Lesen, das Wundern und sich beschäftigen mit etwas. Ich glaube die Menschen brauchen Geschichten. Sie wachsen daran, einige müssen sich darüber mitteilen und andere schweigen lange und werden darüber alt. Manche heben sie auf und manche nehmen sie sogar mit ins Grab…
    http://allesmitlinks.wordpress.com/2011/05/05/vom-zauber-des-seitlich-dran-vorbeigehens/
    Mir geht es eindeutig erstmal um das eigene Zurechtfinden. Wenn das andere auch so empfinden, dann ist es gut. Wenn andere Einwände haben, will ich gerne darüber nachdenken. Manchmal gelingt es, oft auch nicht. De nada.

  7. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    danke leute! lasst uns da dran bleiben.

  8. saetzeundschaetze1 schreibt:

    Hallo,
    mickzwo drückt genau das auch aus, was mich beschäftigt – auch nach der Lektüre des von Mützenfalterin genannten Artikels von Christopher Schmidt, den ich übrigens sehr gut und lesenswert finde! Ich habe mir jetzt vor der Buchmesse die div. Zeitungs/Zeitschriftenbeilagen zur Literatur besorgt und mich dieses Wochenende damit herumgeschlagen: und finde diese einhellige Übereinstimmung nach zwei Tagen grausam monoton.

    Ganz auffällig die Doppelseite in der Zeit über die wichtigen Bücher dieses Herbstes: Man könnte meinen, die kennen außer den großen Verlagen nichts anders…genannt wird Kehlmann, Meyer, etc. – also alles, was auch auf der Long-Short- und sonstigen Buchpreislisten steht.

    Das andere Thema ist der Umgang mit Kritik an sich. Ich denke, man muss auch unterscheiden zwischen den professionellen Kunst-/Literaturkritikern und den Lesern, die ihre Eindrücke widergeben, z.B. auf Blogs…
    Wir – als wir Sätze&Schätze noch zu zweit machten, hatten da diese Grundsatz-Diskussion: Es solle ein Verriss der Woche her. Ich hatte kurz vorher MRR`s „Exekution“ von Jörg Fauser als Filmausschnitt gesehen und war auch schockiert über diese Anmassung, über die persönliche Abwertung, die hier ein Mensch&Schriftsteller erfährt. Ich fühle mich nicht zu Verrissen des Verrisses willen berufen – auch deshalb nicht, weil gerade in Medien wie diesen schnell und undurchdacht kritisiert wird. Man ist ja selber auch ganz dünnhäutig (also ich zumindest), wenn da unvermittelt aus dem Off ein Kommentar reinknallt, den man nun gar nicht einordnen kann. Dann aber lese ich wieder ein Buch – beispielsweise der „Frühling der Barbaren“ – und bin irritiert, weil es durch die ganze professionelle Kritikerzunft hindurch sehr bejubelt wird. Liege ich als Leserin ganz falsch, wenn ich das Buch „unfertig“ finde? Ein Blog gibt hier zumindest die Möglichkeit, sich mit anderen über sein „Unbehagen“ an manchen Büchern auszutauschen.

  9. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    ich finde, dass in der gängigen kritik in den printmedien eher mit stereotypen operiert wird, was letztlich zu einer einfältigkeit der kritik führt. selten lese ich einen text über ein buch, der mich fordert. (im grunde ist es flache lohn- und auftragsschreiberei, was da stattfindet. und die auswahl der zu besprechenden bücher folgt marktwirtschaftlichen gesichtspunkten. potent sind verlage dann, wenn sie anzeigen schalten und die beworbenen bücher sind für die printmedien interessant. zum glück ist das im netz ein wenig anders. unabhängiger. und vierlleicht gelingt es ja, daraus oder darin zu einer verständigung über literatur, und im augenblick vor allem der prosa zu gelangen. das könnte autoren und kritikern gleichermaßen dienen.

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