NSA

Diese ganze NSA Debatte macht einen merkwürdig vormodernen Eindruck. Die Kritiker operieren aus einer Position moralischer Überlegenheit heraus, und machen aus einem armen Schwein, das zumindest strategische Fehler gemacht hat, die eben aus jener Überlegenheitsvorstellung resultierten, einen Heiligen. (Auch darin liegt eine totalitaristische Tendenz). In mehrfacher Hinsicht wünscht man sich nicht, in dessen Haut zu stecken. Die Auswirkung seiner messianischen Selbstaufopferung werden ihm wahrscheinlich erst in der nächsten Zeit bewusst. Jetzt ist schon klar, dass sich der eine oder andere auf Snowdens kosten profiliert (auf beiden Seiten der virtuellen Front). Die dabei mitschwingende Empörung ist eine, aus einer sicheren Position heraus, die sich die unsichere Position des Whistleblowers zu Nutze macht. Was ist das Ziel dieser Handlung? Datenschutz? Und von wem wird dieser Schutz erwartet?

Was ist das Intenet? Ich kann mich noch an Vergleiche mit einem Marktplatz erinnern. Wenn Information allen frei zugänglich sein soll, wo endet dann diese Freiheit.

Datenverkehr in Lichtgeschwindigkeit. Ist das nötig? Und ist nicht eine Verlangsamung des Verkehrs Bedingung für Sicherheit?

Welche Daten von mir stelle ich zu welchen Bedingungen zur Verfügung, dass heißt in den Verkehr?

Ist das Netz nicht eine Form von Öffentlichkeit und gerade deshalb wichtig für demokratische Prozesse?

Man sollte über Souveränität sprechen und ob Zuschreibung nicht den Begriff der Souveränität selbst unterläuft, und über Abhängigkeitsverhältnisse, in die wir uns begeben, die wir hervorbringen. Im Augenblick lese ich nur Opfertexte gewissermaßen, als sei Verantwortung eine Sache des Staates und seiner Institutionen.

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7 Antworten zu NSA

  1. Thorsten Krämer schreibt:

    Inwiefern ist Snowden ein armes Schwein?

  2. Thorsten Krämer schreibt:

    Ah, so ist das gemeint. Im Text klingt es für mich eher so, als sei er vorher schon ein armes Schwein gewesen, als habe er aus seinem Armes-Schwein-Sein heraus gehandelt. Und da hätte ich dann widersprochen 😉

    • Jan Kuhlbrodt schreibt:

      nenee, wobei er sich ungeschickt in eine missliche lage manövriert hat. vielleicht wäre ein andere weg hilfreicher gewesen.
      auch für uns, die wir jetzt eine personalisierte debatte über etwas prinzipielles führen. aber vielleicht brauchen wir soetwas, um ins nachdenken zu kommen (leider)

  3. Wolfgang Schnier schreibt:

    Ich denke, es ist nichts enthüllt worden, was man nicht sowieso schon insgeheim befürchtete. Es war ja auch etwas abwegig zu glauben, nur die Hacker verstünden etwas vom Computer. Ich denke auch, dass man es sich zu einfach macht, wenn man nun den Staat in der Pflicht zum Handeln sieht. Fängt Datenschutz nicht bereits dort an, wo ich freiwillig Informationen über mich online stelle? Was früher bestenfalls ein/e LeserIn eines Poesiealbums wusste, sofern vorhanden, kann nun mit ein paar Mausklicks die ganze Welt lesen – ob sie das will ist wieder eine andere Frage.

  4. Clarknova schreibt:

    dass jeder selbst für seine daten verantwortlich ist, die er ins netz stellt ist klar. aber auch nicht der punkt. snowden enthüllte ja nicht mangelnden datenschutz, sondern flächendeckende überwachung! und da steht der staat sehr wohl in der pflicht zu handeln und seine bürger zu schützen.

  5. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    das problem ist aber, dass in der bundesrepublikanischen gesellschaft der bürger sich seit 15 jahren immer mehr zurückzieht und der politik seine souveränität überlässt.

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