Die Hofmannsthalverschwendung

Nach einem Telefonat mit der von mir und vielen anderen verehrten Dichterin E. E. hatte ich zwei strikte Aufgaben zu erfüllen. Die erste tut hier nichts Wesentliches zur Sache, irgendetwas besorgen oder recherchieren, eine kleine Angelegenheit, die am Rechner schnell erledigt und danach schnell vergessen ist und keinen Grund zum Widerspruch bietet. Die zweite Aufgae war schon schwieriger und ist erst zu einem Bruchteil erledigt: Folgendes sollte und soll ich tun:

(Ich denke immer noch darüber nach, ob hier ein Widerspruch möglich gewesen wäre; aber während ich noch nachdeneke, bin ich dabei, den zweiten Teil der Aufgabe zu erfüllen)

Der erste Teil der bestand einfach darin, zwei Bücher von Hofmannsthal zu bestellen, die in den Achtzigern bei Reclam Leipzig erschienen waren: Blicke. Essays und Deutsches Lesebuch.

E. sagte, dass ich es nicht bereuen würde, sie selbst sei entzückt.

Ich muss gestehen, dass ich mir von selbst nie und nimmer ein Buch mit dem Titel Deutsches Lesebuch gekauft hätte, wer auch immer es herausgegeben. Meine Assoziation angesichts eines solchen Titels: staubtrockner Nationalkitsch.

Aber ein erstes Hereinlesen und darauf ein verwunderter Blick ins Inhaltsverzeichnis belehrte mich eines Besseren. In diesem Buch sind wunderbare und herausragende Momente der deutschspracchigen Essayisik versammelt (politisch, philosophisch und literarisch, Hegel neben Novalis der Droste und Lasalle), eine Traditionslinie, wenn man in diesem Gezweig (Rhizom?) von einer Linie sprechen mag, die mit der faschistischen Herrschaft abgebrochen wurde, und an die anzuknüpfen wir uns hierzulande immer noch fast hilflos bemühen. Naja, nicht ganz hilflos. Langsam wächst das Gewirr wieder.

aus

E.T.A. Hoffmann: Über Spontini

„In der Tiefe seines ernsten deutschen Geistes erkannte Gluck die Gefahr, in die die wahrhaft tragische Oper durch die Sirenenlockung jenes zärtlichen, meistens reichen Gesangs versetzt werden musste.  Das bestimmte ihn, jede Hinneigung dazu sorglich zu vermeiden… So mussten aber denen, die eben nur dieses in der Italienischen Musik liebten, die Gluckschen Kompositionen schroff, trocken, unmelodisch vorkommen.“

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Eine Antwort zu Die Hofmannsthalverschwendung

  1. umtriebe schreibt:

    Anfang der 80er war auch noch ein anderes „Deutsches Lesebuch“ erschienen, und zwar das von Hermlin editierte mit dem Untertitel „Von Luther bis Liebknecht“; auch sehr lesenswert …

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