Beruhigung durch Danto

In einem Artikel fand ich heute Morgen folgenden Satz, der mich sehr geärgert hat, man könnte fast sagen: auf die Palme brachte. Und das am Sonntag Vormittag.

Was von der Idee von Literatur als symbolischer Form übrig bleibt, wird weiter unterminiert durch Sprachkritik und (Post-)Strukturalismus, Dekonstruktivismus und Postmodernismus – Geistesströmungen, denen man beste Absicht, kritische Berechtigung und emanzipatorisches Potenzial zubilligt, deren Verabsolutierung ich für verheerend halte.

Allein das verwenden  der Worte unterminiert und verheerend machen eine ideologische Ausrichtung des Geschriebenen sichtbar, weit entfernt von Krausscher Polemik auf die der Autor sich wohl gerne bezöge.

Deshalb nahm ich mir ein Buch von Danto (DAS FORTLEBEN DER KUNST. München 2000) aus dem Regal. Arthur C. Danto  ist ein mir sehr lieber Philosoph der amerikanischen analytischen Philosophie, die merkwürdigerweise in obiger Aufzählung nicht auftaucht. Von der man aber eines lernen kann: Emphathie. Allein Dantos Sartrebuch ist dahingehend ein Lehrstück, aber auch ein Lektüregenuss (Steidl). Wahrscheinlich wird analytische Philosophie vom Autor des eingangs zitierten Artikels stillschweigend der Sprachkritik subsumiert. Von Danto Folgendes:

In beiden Fällen, dem des Endes der Geschichte und dem des Endes der Kunst – existiert Freiheit in zweierlei Bedeutung des Wortes. Menschen sind in Marx‘ und Engels‘ Bild frei, das zu sein, was sie wollen, außerdem sind sie frei von einer gewissen historischen Agonie, die vorschreibt, dass es stets jeweils ein eigentliches und ein uneigentliches Dasein gibt, wobei ersteres auf die Zukunft und letzteres auf die Vergangenheit verweist.* Und der Künstler ist am Ende der Kunst ebenfalls frei, zu sein, was er will – frei, irgendetwas oder sogar alles zu sein … wie Künstler (er nennt u.a. Polke und Trockl), die sich nicht in die Grenzen eines Genres einsperren lassen – die ein bestimmtes Reinheitsideal zurückgewiesen haben.

* cf. Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. Dieser Text ist für mich immer noch ein Highlight philosophischer Publizistik.

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