Broch

wer kann sich diesem pathos entziehen? ich kaum. und ich bin sehr dankbar für diesen text, weil er eine art link zwischen zwei essayistischen projekten darstellt. in den nächsten tagen wird bei mikrotext ein essay zur genesis erscheinen und im herbst in der reihe edition poeticon des verlagshauses j. frank ein essay zu lyrik und geschichte:

„Sprache, aus dem Aufschrei geboren, aus dem Augenblick des Aufschreis, wäre nicht Sprache, sie wäre nicht Vereinigung von Logos und Mythos, als welche sie ist und wächst, wenn jener sprachwerdende Aufschrei des Beginns nicht lyrischer Ausdruck und ebendamit menschlich gewesen wäre, mystisch das ganze Systhem des Mytischen und Logischen bereits in sich erhaltend. Und dies ist wohl einer der Gründe, wenn nicht sogar der eigentlichste, um dessentwillen jede sprachliche Darstellung einer Welttotalität, wie auch immer, wo immer sie angestrebt wurde oder wird, von dichterischen Momenten durchsetzt sein muss. Geschichtsschreibung, die nicht bloß Lehrbuch, sondern echte historische Sicht sein will, ist ohne dichterischen Einschlag nicht denkbar, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass aus ihr, gleichsam als ihre Ergänzung, ja mehr noch, als könnte damit nochmals der Anschluss an den mytischen Ursprung gefunden werden, die historische Dichtung hat entstehen müssen.

aus: Die myhische Erbschaft der Dichtung.  Hermann Broch: Dichten und Erkennen. Herausgegeben und eingeleitet von Hannah Arendt. Zürich 1955

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