Stötzer Outtakes 3

Von fern

(Tagebau Zwenkau)

Ist doch nur ein Swimming Pool, hat mir Stötzer einmal gesagt. Die Narben in der Landschaft werden mit Wasser verfüllt, Straßen erkennt man, waren hier alle Zeit nur provisorisch. Feldwege, Dumpertrassen. Nur der Himmel sei immer der gleiche geblieben, wenn man ihn damals überhaupt gesehen hätte durch den Kraftwerksnebel, wäre es dieser Himmel gewesen.

Stötzer beißt sich auf die Lippen. Kichert. Unter dem Mutterboden befindet sich noch ein Rest Energie. Braunkohle, wenig ergiebig, doch brauchbar zu Zeiten knapper Kassen und hoher Ölpreise. Am Grunde die Kratzspuren des Baggers. Nun liegt diese Muschelstruktur in der Gegend, aber auch die wird vergehen, wird See werden. Und wir werden eintauchen und später, wenn wir die Köpfe aus dem Wasser stecken, sagt Stötzer, ist das Land nicht wiederzuerkennen. Das nenne man Rekultivierung.

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Das Land aber war schon einmal ein anderes geworden. War Heide und dünn besiedelt, bevor die Bagger kamen. Guter Boden für Bauern. Und von Naherholung sei niemals die Rede gewesen, sagt Stötzer. Aber wir sind schneller als der Eispanzer der einmal soetwas in Mecklenburg hinterließ, nachdem er sich zurückgezogen hatte.

Die sächsische Seenplatte. Wollen wir hoffen, daß auch die Pflanzen und Vögel, die diese Gegend dereinst besiedeln werden, mit uns schneller geworden sind, und wir nicht am Rand unserer Gewässer sitzen und endlos auf Natur warten müssen. Der kommende See sei nur ein Angebot, sagt Stötzer..

3 Seifertshain

Ängstlich duckt sich das Dorf vor der Stadt. Noch scheint es nicht entdeckt zu sein, nach haben die Städter ihre Hand nach dieser Idylle nicht ausgestreckt. Das Dorf tarnt sich mit Buschwerk und Pappel, versucht in einer Senke zu verschwinden. Stötzer beugt sich über das Bild, berühert es fast mit der Nase. Was wird es ihm nützen, sagt er.

Eines Tages werden die Städter doch kommen, werden Wege in die Felder zeichnen, werden planieren, asphaltieren und die Gegend mir ihrem Signum bedrucken, mit diesen geometrischen Neubausiedlungen, und das Dorf wird darin, gerade wenn es sich nicht duckt, kaum mehr zu erkennen sein.

Geometrie nämlich ist Überlegenheit. Noch aber ist die Stadt nicht erwacht, dämmert im eigenen Saft, liegt im Dunst am Horizont wie eine andere Welt. Und dieser Tag wird vergehen wie tausende Tage vorher auch.

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Nikon Fehler ganzes Bild Hundert Jahre hat das gedauert. Die Bagger schoben sich immer näher heran an dicht bewohntes Gebiet. Manches Dorf musste weichen. Jetzt kurz vor dem Abzug, die Armee ist mal wieder gescheitert. Bagger lassen die Schaufelräder hängen. Wie viel Abraum haben sie beiseite geräumt, um an die Kohle zu kommen, und eigentlich haben sie Fahrrinnen geschaufelt wie ihre Brüder auf den Kanälen und Flüssen, im Hafengebiet. Jetzt bilden sie nur noch Kulisse für gierige Fotografen. Bis zu den Gummistiefeln im Sand. Tupfen im blasser werdenden Rest einer Industrie.

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Aber auch dieser Kontrast funktioniert nicht mehr, sagt Stötzer. Wir sind durch mit derlei morbiden Charme. Hier gibt es nichts mehr zu holen.

Die Dumperflotte hupt einen letzten Salut zwischen den Baggern auf mit dem Rücken zur Skyline.

Die Stadt bleibt im Hintergrund. Unter ihr soll ja auch noch Kohle liegen. Aber sie blieb verschont. Schottet sich mit Wassergräben ab gegen eine erneute Invasion. Und tarnt sich mit quasi natürlicher Umgebung.

 

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