At Chemnitz IV. Reizker

Halt mal, sagte mein Urgroßvater, wir waren unterwegs
in einem Waldstück. Mischwald. Krautig. Und er übergab
mir einen kleinen Nylonbeutel, in dem sich vier fünf Pilze
befanden. Reizker. Pilze die giftig aussahen, die man aber
essen könne, und sein hohes Alter
gab meinem Urgroßvater recht. Er hatte viele Pilze genossen

und nicht ein Mal hatte er sich geirrt.

Er war ein kluger Mann.
Hatte sich 33 mit den Nazis geprügelt (sagt er)
Hatte im zweiten Krieg, der auch für ihn
der zweite Krieg war, in den man ihn holte,
keinen einzigen Schuss abgegeben (sagt er)

Er schob sich ein Stück Kautabak in den Mund,
dann nahm er den Beutel selbst, und wir gingen weiter.

Springkraut. Ich suchte am Rand des Weges nach Springkraut,
oder Trollkraut, wie es von andern genannt wurde, und berührte
die Fruchtkapseln leicht mit dem Daumen und Zeigefinger, die,
wenn sie reif genug waren, daraufhin aufsprangen, ihre Samen
ins Weltall hinaus schleuderten, ins Universum zum Fortbestand.

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Eine Antwort zu At Chemnitz IV. Reizker

  1. muetzenfalterin schreibt:

    wunderschön, wie der großvater (urgroßvater) hier in die natur, und er und der urenkel ins universum eingebettet sind. ganz groß (für mich) dieses gedicht.

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