Wo Landschaft wäre – zu Arbeiten von Ivonne Dippmann

Im Frühjahr 2013 wird im Verlagshaus J. Frank ein Buch erscheinen, das das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Ivonne Dippmann (Illustrationen) und mir (Text) ist.

Im folgenden einige Gedanken zur Arbeit von Dippmann:

Dort wo Landschaft wäre

Avicenna aber geht von einer anderen Vorstellung aus. Wir sind, so mutmaßt er, in uns anfänglich ganz leer – da ist nichts in uns. Aber wir können, wenn wir denken, Stück für Stück, den Kosmos in uns aufnehmen, und alles reflektieren, Ding für Ding, so dass wir zu einem Spiegel des großen Ganzen werden. Aber wenn es uns misslingt, gehen unsere Seelen verstümmelt und nur zum Teil in die Ewigkeit ein.“ K. Waldrop

Im Spiegel verkehrt sich alles, das Verkehrte aber wird Bild, ist jedoch, weil ein physikalischer Effekt, Teil einer Realität und also flüchtig, wenige Nanosekunden lang haltbar.

Die in Karl-Marx-Stadt geborene Ivonne Dippmann kennt die Erfahrung der Vergänglichkeit eines Reiches, das sich für ewig hält.

Die Zeichnung, die Bildkunst überhaupt, schafft Dauer, meint man. Die Darstellung der Auslöschung im Moment, da sie sich ereignet, verhindert die Auslöschung selbst, zumindest schiebt es sie auf. Und auch das bereits Gelöschte erhält Dauer als Fehlendes, solang das Kunstwerk existiert. Und es existiert solange wie es seinen Träger, die Wand, die Leinwand oder das Blatt gibt.

Die Vorstellung, die einem Fresko zugrunde liegt, ist Ewigkeit, und nicht selten ist sie auch sein Sujet. Und tatsächlich werden immer wieder antike Fresken entdeckt, die die Zeit versteckt überdauerten.

Die Fresken Ivonne Dippmans, sind im Bewußtsein der Vergänglichkeit entworfen. Ihre Mauern sind weniger haltbar, ihre Wände werden bald übermalt sein.

Es ist eben kein Abbild, sondern Schöpfung, Neu- oder Nachschöpfung, was in den Arbeiten geschieht. Und diese Schöpfung vollzieht sich nicht im Nichts, sondern in der Welt. Die Düsternis die ihr Innewohnt ist deren Ausdruck. Es gibt keinen Sündenfall hier, die Figuren erblicken bereits als Versehrte, Beschränkte das Licht.

Dort wo Landschaft wäre, ist Chaos, denn Landschaft ist das geordnete Nebeneinander der Dinge, seien es Gewächse, seien es Gebäude. Insofern ist Landschaft immer der Hintergrund, aber ein Hintergrund der Versöhnung oder des Gottvertrauens.

Dieser Hintergrund fehlt in den Bildern Ivonne Dippmanns. Vor einem Chaos, was keine Unordnung ist von Strichen, Strukturen, Flecken, zeichnet sich das Figürliche ab.

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Eine Antwort zu Wo Landschaft wäre – zu Arbeiten von Ivonne Dippmann

  1. muetzenfalterin schreibt:

    ich bin sehr gespannt auf das buch.

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